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19.11.2018

Nicht «d’Ärde under d’Ärde» bringen!

Die Alternative Bank Schweiz war am 17. November zu Gast bei der StopArmut-Konferenz in Winterthur.

Die diesjährige StopArmut-Konferenz widmete sich dem Thema Klimagerechtigkeit und nahm damit neben dem eigentlichen Klimawandel insbesondere seine sozialen Folgen in den Fokus: Die Menschen, die den Klimawandel am wenigsten verursacht haben, werden am stärksten unter seinen Folgen leiden. Neben Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Wissenschaft, Politik, dem WWF und der Finanzbranche bereicherte der Spoken-Word-Künstler «Sent» die Konferenz mit eindringlichen Video-Performances. Sein Appell, nicht «d’Ärde under d’Ärde» zu bringen stimmte auf die akute Dringlichkeit von Klimaschutz und nachhaltigem Konsum ein.

Vielstimmige Impulse

Die ABS war mit einem Stand vor Ort präsent und gestaltete die Konferenz auch inhaltlich mit: Michael Diaz, Mitglied der Geschäftsleitung der ABS, stand auf dem Podium Rede und Antwort zum Thema «Die Umsetzung der Klimaziele in der Schweiz». Gemeinsam mit Andrea Burckhardt (Bundesamt für Umwelt), Daniel Heusser (Klima-Experte beim WWF), Eric Nussbaumer (Nationalrat SP, Umweltkommission) und Sonia I. Seneviratne (ETH Zürich) schuf er im Verlauf der Diskussion Anknüpfungspunkte für konkretes Handeln für den Klimaschutz.

Die Finanzwirtschaft muss eine Vorreiterrolle einnehmen

Bereits in den Hauptreferaten vor dem Podiumsgespräch wurde deutlich, dass die Finanzwirtschaft eine zentrale Rolle beim Klimaschutz spielt. Geldflüsse wirken ganz konkret – für oder gegen den Klimaschutz. Daran knüpfte Michale Diaz in seinen Diskussionsbeiträgen während des Podiumsgespräches an. Frei nach Immanuel Kant und mit einer guten Portion Humor erläutert er die Mission der ABS: «Die Alternative Bank Schweiz ermöglicht es Menschen, sich aus der «selbstverschuldeten Unmündigkeit ihres Finanz-Seins zu befreien und Verantwortung für die Wirkung ihres Geldes in der Welt zu übernehmen.»

In dieser Hinsicht gebe es einerseits erfreuliche Entwicklungen, so der Leiter für den Geschäftsbereich Anlegen bei der Alternativen Bank Schweiz. Zum Beispiel sei gemäss einem Bericht der Vereinten Nationen im Jahr 2017 erstmalig global mehr in erneuerbare Energien investiert worden als in fossile Energieträger und Kernkraft. Andererseits sei aber die Schweiz als wichtiger Finanzplatz alles anderes als ein Vorbild.

Die Herausforderung liegt in den Grautönen

Auch die zahlreichen Zielkonflikte, die das Definieren von nachhaltigen Anlagen mit sich bringt, wurden offen thematisiert. Anlegen nach sozialen und ökologischen Kriterien gelingt nicht mit Schwarz-Weiss-Denken, sondern muss sich in einer Welt der Grautöne bewegen. Auch die ABS muss beim Beurteilen von Unternehmen für Anlagempfehlungen sorgfältig abwägen.

Am Beispiel der Firma Tesla legte Michael Diaz auf dem Podium dieses Ringen um «gute Entscheidungen» dar: Tesla leistet zwar mit seinen Elektroautos einen substantiellen Beitrag zu einer CO2-armen Mobilität. Andererseits verhält sich das Unternehmen gemäss ABS-Anlagekriterien problematisch, wenn es um grundlegende Arbeitnehmerrechte wie gewerkschaftliche Interessenvertretung und Arbeitssicherheit geht. Solches Abwägen bei Zielkonflikten und das Entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen gehört zum Alltag bei der ABS.

In Bezug auf Tesla hat die ABS entschieden, wegen der Widersprüchlichkeit der sozialethischen und der ökologischen Aspekte nur einen von fünf positiven Bewertungspunkten – den ABS-Vögeln – an das Unternehmen zu vergeben. Bevorzugt empfiehlt die ABS ihren Kundinnen und Kunden in der Anlageberatung Unternehmen erst ab zwei ABS-Vögeln. In der Vermögensverwaltung berücksichtigt die Bank zum Teil auch Titel mit nur einem ABS-Vogel. Tesla ist also vom Anlageuniversum der ABS nicht ausgeschlossen, aber die Kontroversen fallen dennoch konkret ins Gewicht.

Mit vielseitigem Input und Raum für Austausch vereinte die StopArmut-Konferenz ein weiteres Mal zahlreiche gleichgesinnte Akteure und Akteurinnen, die sich um einen nachhaltigen Umgang mit der Welt bemühen. Die Alternative Bank Schweiz war sehr gern als Gesprächspartnerin dabei.

 

Foto: Isabelle Hofmänner, Anlageberaterin bei der ABS, und Roman Fröhlich vom Team Marketing & Kommunikation am Stand der ABS bei der StopArmut-Konferenz.