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13.07.2021

Wirkungslose Nachhaltigkeitsfonds? Greenpeace-Studie zieht ernüchternde Bilanz

Am 21. Juni 2021 publizierte Greenpeace Schweiz die Ergebnisse einer Studie, die zeigt, dass nachhaltige Anlagefonds kaum Kapital in eine nachhaltige Wirtschaft lenken. Die ABS hat sich mit der Studie befasst, bezieht im Folgenden Stellung zu zentralen Punkten und reflektiert das eigene Anlagegeschäft vor dem Hintergrund der Ergebnisse.

 

Die Studie wurde von Greenpeace Schweiz und Greenpeace Luxemburg in Auftrag gegeben und von der Schweizer Nachhaltigkeits-Ratingagentur Inrate durchgeführt. Die Studie untersucht anhand von 51 Schweizer und Luxemburger Fonds, inwiefern es Nachhaltigkeitsfonds im Vergleich zu konventionellen Fonds gelingt, die Kapitalströme in Richtung ökologisch-soziale Unternehmen zu lenken. Der ABS-eigene Anlagefonds wurde im Rahmen der Studie nicht berücksichtigt.

Studie stellt Nachhaltigkeitsfonds schlechtes Zeugnis aus

Die Antworten aus der Studie fallen ernüchternd aus: Es gebe praktisch keine oder nur sehr geringe Kapital-Lenkungseffekte durch Nachhaltigkeitsfonds in nachhaltige Unternehmen. Als eine mögliche Erklärung führen die Autorinnen an, dass sich die angewendeten Nachhaltigkeitsanalysen meist auf die Unternehmensführung beschränken. Die positiven und negativen Wirkungen von Produkten und Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette würden nicht oder zu wenig berücksichtigt. Ein weiterer Grund könne gemäss Studie sein, dass die Fondsverwalterinnen und -verwalter starke Abweichungen von ihren jeweiligen Vergleichsindizes vermeiden. Die Verwendung von solchen konventionellen Benchmarks führe dazu, dass es zu wenig Freiheiten gibt, Portfolios konsequent an Nachhaltigkeitsaspekten auszurichten. Auch würden oft klare und verbindliche Zielvorgaben hinsichtlich der Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft fehlen.

Die angewendeten Ausschlusskriterien führen darüber hinaus gemäss den Autorinnen der Studie insgesamt zu keinen signifikanten Reduktionen von Investitionen in kritische ökonomische Aktivitäten sowie Unternehmen mit kontroversem Umweltverhalten.

Was die Studie für die ABS bedeutet: Wir machen vieles richtig

«Die Resultate stützen Ergebnisse früherer Studien, an denen wir uns bislang orientiert haben», erklärt Michael Diaz, Leiter des Bereichs Anlegen und Mitglied der Geschäftsleitung der ABS. «Sie bestätigt unsere Einschätzung, dass es einen strengen Ansatz braucht, damit das Kapital zu denjenigen Unternehmen gelenkt wird, die tatsächlich einen Nachhaltigkeitsbeitrag leisten.»

Wenn ein direkter, nachweisbarer Effekt mit Anlagen erzielt werden soll, empfiehlt die ABS Wirkungsanlagen, wie sie zum Beispiel in der Vermögensverwaltungsstrategie «Impact Fonds» gebündelt werden. «Dass diese Anlagestrategie bei der ABS die am stärksten nachgefragte und wachsende ist, sehen wir als Ausdruck des Wunsches vieler unserer Kundinnen und Kunden, mit ihren Geldanlagen möglichst viel Realwirtschaftliches zu bewirken», sagt Michael Diaz. Impact Fonds investieren in Mikrofinanz sowie in erneuerbare Energien, sozial-ökologische Lebensmittelketten für eine Ernährungswende und in nachhaltige KMU, etwa in der Gesundheitsversorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern. Impact Fonds versuchen via Primärmärkte eine direkte, zweckgebundene Wirkung zu erzielen, und sie weisen die erzielte Wirkung auch aus. «Wir sind allerdings der Meinung, dass gerade bei kleinen und mittelgrossen Unternehmen die Lenkungswirkung via Sekundärmärkte durchaus relevant sein kann», so Michael Diaz. Kleinere Unternehmen würden nämlich oftmals über geringere Handelsvolumen verfügen und daher eine entsprechend grössere Nachfrage von Investorinnen und Investoren benötigen. Je grösser die Nachfrage nach Investitionen, umso höher sei in der Regel die Bewertung und umso günstiger fallen die Kapitalkosten aus. 

Die Studie bekräftigt uns darin, dass es die strengen ABS-Ausschlusskriterien braucht und diese möglichst konsequent und umfassend angewendet werden müssen. Dies tut die ABS über alle Geschäftsfelder und Produkte hinweg - auch bei ihrem Anlagefonds. Bei diesem versuchen wir zudem, die realwirtschaftliche Wirkung zu erhöhen, indem wir direkt an Emissionen im Bereich Obligationen partizipieren und bemüht sind, möglichst viele «small Caps» - also Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von unter 1 Mrd. CHF - zu integrieren.

Bei der Bewertung von Unternehmen berücksichtigt die ABS - wo immer die Informationen zugänglich sind - die gesamte Wertschöpfungskette. Wir handeln grundsätzlich nicht nach einem Best-in-Class-Ansatz, bei dem aus an sich nicht nachhaltigen Branchen die Unternehmen ausgewählt werden, die am besten wegkommen, also: das «kleinste Übel» darstellen. Die ABS hingegen wählt diejenigen Titel sektorübergreifend aus, die gemäss ABS-Kriterien tatsächlich nachhaltig sind. Schädliche Branchen werden als Ganzes ausgeschlossen. Die Studie bestätigt uns auch darin, dass wir uns an keinem Vergleichsindex messen. «Das erlaubt es uns, unser Anlageuniversum frei zu gestalten und konsequent an unseren Kriterien auszurichten», erklärt Michael Diaz.

Wo die ABS sich verbessern kann

Die Greenpeace-Studie gibt der ABS aber auch Anregungen für ihr Anlagegeschäft: «Zum Beispiel sollten auch wir unsere Wirkungsziele weiter konkretisieren», erläutert Michael Diaz: «Auch im Bereich Wirkungsreporting können wir uns noch verbessern, denn ausser beim CO2-Fussabdruck sowie der 1,5 Grad Kompatibilitätsanalyse für den Anlagefonds können wir noch keine umfassenden quantitativen Aussagen zur positiven Umwelt- und Sozialwirkung über einzelne oder die Gesamtheit aller Portfolios machen. Wir müssen nach aussen noch besser sichtbar machen, welche Beiträge an eine soziale und ökologische Entwicklung die Unternehmen leisten, in die wir investieren.»

Kritische Würdigung der Greenpeace-Studie aus ABS-Sicht

Die Studie nimmt keine Beurteilung zum Erfolg von Engagement-Aktivitäten vor, sondern beschränkt sich auf die Kapitallenkungswirkung von Anlagen. Dies ist aus ABS-Sicht ein blinder Fleck, denn gerade Engagement - also die aktive Ausübung von Stimmrechten sowie der Unternehmensdialog - sind vielversprechende Möglichkeiten, die Unternehmen in Richtung Nachhaltigkeit zu transformieren. Auch die ABS ist in diesem Bereich aktiv. Sie engagiert sich zum Beispiel bei Shareholders for Change - und zwar bewusst verstärkt seit der Lancierung des eigenen Anlagefonds im Jahr 2019. Dieses internationale Netzwerk von institutionellen Investoren, setzt sich mit dem gemeinsamen Volumen an Anlagevermögen und mit gemeinsamer Stimme für einen nachhaltigen Finanzsektor und für eine Weltwirtschaft ein, die mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen im Einklang ist. Zusätzlich ist die ABS im Bereich Engagement Partnerin von Ethos und Actares.

Die von Greenpeace beauftrage Studie ist ein wichtiger und qualitativ hochwertiger Beitrag zu einer kritischen Auseinandersetzung mit nachhaltigen Anlagen, was die ABS sehr begrüsst. Greenpeace spricht das Problem des Greenwashing deutlich an und fordert in einem offenen Brief klare Mindestanforderungen für sogenannte nachhaltige Anlagefonds. Bei der Suche nach Erklärungen für die festgestellte fehlende Lenkungswirkung von nachhaltigen Anlagen beschränken sich die Studienautorinnen allerdings auf die statistische Analyse. 

Einen wichtigen Grund sieht die ABS auch an grundlegenderer Stelle: Nachhaltige Anlagen werden im Finanzsektor meist als Vertriebsidee bzw. als Angebot behandelt, um ein wachsendes Bedürfnis von Kundinnen und Kunden zu decken. Häufig geht es nicht darum, einen messbaren Beitrag zu einer sozialeren und ökologischeren Welt zu leisten. Hierzu würden oftmals die Wirkungsorientierung und auch das entsprechende Wissen fehlen, so die Einordnung von Michael Diaz. Hinzu komme das Streben, die Rendite der Anlageprodukte zu maximieren bzw. den Vergleichsindex zu übertreffen. Und darum scheue man eine allzu grosse Einschränkung des Anlageuniversums und tendiere zu eher laschen Nachhaltigkeitsansätzen, so der Leiter des Anlagebereichs bei der ABS: «Wir brauchen eine Transformation der Finanzindustrie und die Orientierung am Gemeinwohl mit dem gesamten Geschäftsmodell. Die grosse Herausforderung besteht somit im Kulturwandel.» 

Weitere Infos zur Greenpeace-Studie
Kontakt bei der ABS:

Anfragen via Medienstelle
Katrin Wohlwend
medien(at)abs.ch
T 062 206 16 64