Stellungnahmen

Transparenz schaffen

20.09.2016

Alternative Bank Schweiz setzt sich für eine grüne Wirtschaft ein

Die Alternative Bank Schweiz sieht die Initiative für eine «Grüne Wirtschaft» als Chance, den längst fälligen Strukturwandel in der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit voranzubringen. Die Banken könnten dabei Wegbereiterinnen sein, müssten dafür aber ihr eigenes Rollenverständnis überdenken.

Am 25. September 2016 stimmen die Schweizerinnen und Schweizer über die von den Grünen lancierte Volksinitiative «Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft», kurz «Grüne Wirtschaft» ab. Auslöser für die Initiative ist der Ressourcen- und Naturverbrauch der Schweiz, der, und das ist unumstritten, viel zu hoch ist. Die Initiative will die Umweltbelastung bis ins Jahr 2050 auf ein naturverträgliches Mass reduzieren und damit langfristig eine hohe Lebensqualität für alle sichern. Sie fordert deshalb eine verbindliche Umstellung auf eine «Grüne Wirtschaft», die auf Klimaschutz, Ressourceneffizienz, geschlossenen Stoffkreisläufen und sauberen Importen beruht.

«Grüne Wirtschaft» ist eine Chance

Die Alternative Bank Schweiz (ABS) unterstützt die Ziele der Initiantinnen und Initianten. Alle wirtschaftlichen Akteure sind in der Verantwortung und müssen einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten. Die Initiative macht hierzu konstruktive und realisierbare Vorschläge. Sie schafft einen verbindlichen, politischen Orientierungsrahmen, in dem genügend Freiräume für die wirtschaftliche Entfaltung vorhanden sind. Ein Strukturwandel der Schweizer Wirtschaft ist angesichts der kommenden ökologischen Herausforderungen unumgänglich und zeitlich nicht mehr länger verschiebbar. Bei Annahme der Initiative wäre die Schweiz in einer besseren Ausgangslage als heute, um diese Herausforderungen zu meistern. Die ABS erachtet deshalb die Initiative für eine «Grüne Wirtschaft» als Chance für die Schweiz.

Banken könnten Wegbereiterinnen für «Grüne Wirtschaft» sein

Bankkredite sind eine wichtige Finanzierungsquelle für die Wirtschaft. Entsprechend kommt den Banken eine zentrale Rolle im Wirtschaftskreislauf zu. Noch sieht sich die Mehrheit der Branche als neutrale Akteure, die nicht danach fragen, was sie finanzieren. Wollen die Banken Wegbereiterinnen sein für eine «Grüne Wirtschaft», braucht es ein Umdenken und ein anderes Rollenverständnis:

  1. Banken müssen Transparenz schaffen. Das Gebot der Verantwortlichkeit heisst, dass das Handeln der Banken überprüfbar  und nachvollziehbar sein muss. Hohe Transparenz über Geschäftsmodelle, gewährte Finanzierungen und getätigte Investitionen sind Grundlage für den Wandel hin zu einer «Grünen Wirtschaft». Dies gilt umso mehr, wenn der Wandel auf Freiwilligkeit der Akteure beruhen soll. Wenn verbindliche Vorgaben fehlen gewinnt die Rechenschaftspflicht umso mehr an Bedeutung. Transparenz ist dann das einzige Mittel, um Marktverzerrungen zu verhindern.
  2. Banken müssen anderes Wissen aufbauen und einsetzen. Heute basieren Kredit- und Anlageentscheide auf rein finanziellen Kriterien. Für eine «Grüne Wirtschaft» müssen auch Chancen und Risiken in ökologischer und sozialer Hinsicht  in Kreditentscheiden respektive bei der Berechnung von Risiko-Rendite-Modellen berücksichtigt werden. Das dafür nötige Wissen ist heute bei den Banken zu wenig vorhanden.
  3. Banken müssen ihre Gewinnorientierung überdenken. Heute werden die Kosten für soziales und ökologisches Fehlverhalten zum grössten Teil auf die Gesellschaft abgewälzt, sie sind externalisiert. Das bedeutet, sie werden in Märkten nicht richtig abgebildet und eingepreist und sind dadurch gesellschaftlich nicht fair verteilt. Eine «Grüne Wirtschaft» wird das korrigieren. Alle Akteure, die bisher von der Externalisierung von sozialen und ökologischen Kosten profitiert haben, müssen umdenken und sich von ihren bisherigen Renditeerwartungen verabschieden.
  4. Banken müssen Risikokapital zur Verfügung stellen. Sogenannte «Social Entrepreneurs» und innovative, nachhaltige Firmen sind die Vorreiter für den Umbau zur «Grünen Wirtschaft». Diese brauchen Risiko- und Wachstumskapital, damit ihre Lösungen skalierbar werden. Heute können Banken diese Aufgabe nur schlecht wahrnehmen, da das System auf die Finanzierung von möglichst tiefen Risiken ausgerichtet ist. Um diesen Zielkonflikt zu entschärfen, braucht es auf der einen Seite eine bessere Risikoteilung zwischen Banken, Einlegerinnen und Einlegern und der öffentlichen Hand. Andererseits müssen Banken ihr Fundament aus Eigenkapital stärken, um die Risiken tragen zu können. Dazu brauchen sie eine Aktionärsbasis, die sie nicht in erster Linie am Profit, sondern daran misst, wie gut die Bank einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Schweiz geleistet hat.
  5. Banken müssen den Dialog suchen. Banken stehen im Dienst ihrer Kundinnen und Kunden. Sie haben es im Beratungsprozess in der Hand, ihre Kundschaft über wirtschaftliche Zusammenhänge und nachhaltige Entwicklung aufzuklären und auf die besondere Rolle der Banken aufmerksam zu machen. Damit befähigen sie ihre Kundschaft, sich als kritische Konsumentinnen und Konsumenten zu verhalten. Mutige Banken werden sich von nicht nachhaltigen Angeboten ganz verabschieden und auf die zunehmende Nachfrage nach sozial-ökologischen Produkten vertrauen.

Nur ein erster Schritt auf einem längeren Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft

Die Initiative für eine «Grüne Wirtschaft» stellt Umgang und Nutzung natürlicher Ressourcen ins Zentrum. Es ist ein sinnvoller erster Schritt, in der Verfassung verbindliche Rahmendbedingungen hierfür festzulegen, eine im umfassenden Sinn nachhaltige Gesellschaft erreichen wir damit noch nicht. Es geht um die Tragfähigkeit unserer Handlungen für den Planeten und damit um den Schutz unserer Umwelt, um Gerechtigkeit und Solidarität für Menschen heute und morgen in der Verteilung knapper Güter, um die Lebensqualität im Sinne der persönlichen Entfaltung und letztlich um die Gesamtheit von Ökologie, Sozialem und Ökonomie.