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auch kein Geld, um Substitutionspulver zu kaufen).

Kurz: der Fluch setzt sich fort in eisiger Normalität von

Generation zu Generation.

Ein letzter Punkt: So deutlich die Zahlen sind, eines

sagen sie nicht aus: die panische, marternde Angst, die

einen Vater, eine Mutter befällt vom ersten Erwachen

am Morgen an, wenn sie daran denken, dass sie auch an

diesem neuen Tag ihren Kindern nichts Anständiges,

Genügendes zu essen werden geben können. Die Ver-

zweiflung der Mutter, des Vaters vor dem weinenden,

hungrigen Kind.

Der Raubtierkapitalismus

Die Welt-Diktatur des Finanzkapitals – auch globa-

lisierte Weltwirtschaft genannt – schafft zwar unglaub-

lichen Reichtum, aber nur für wenige. Die 200 grössten

transkontinentalen Gesellschaften haben vergangenes

Jahr über 28 Prozent des gesamten Welt-Bruttosozial-

produktes (das heisst aller auf der Erde während eines

Jahres produzierten Reichtümer, Waren, Kapitalien,

Patente, Dienstleistungen usw.) kontrolliert. Die 225

grössten Privatvermögen der Welt entsprechen einer

Summe, die höher ist als alles, was 2,7 Milliarden Men-

schen, das heisst 41 Prozent der Weltbevölkerung, be-

sitzen. Der Raubtierkapitalismus, der mehr und mehr

die Welt verwüstet, hat ein Ziel – in den Worten von

James Wolfensohn, dem Weltbankpräsidenten, ausge-

drückt: «Stateless Global Governance» – die Autoregu-

lation des Weltmarktes ohne jegliche staatliche Norma-

tivität. Jean-Jacques Rousseau schreibt im «Contrat

social»: «Zwischen dem Starken und dem Schwachen ist

es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das

befreit.»

Natürlich ist das wild wütende Spekulativkapital

und seine mörderische, absurde Weltordnung nicht al-

lein am Desaster schuld. Viele Sekundärgründe, einige

davon recht kompliziert, helfen, das tägliche Hunger-

massaker zu erklären. In vielen Drittweltländern sind

Korruption und Lokaltyrannen ein Grund. Ein anderer

Grund ist die Besetzung von Ländern durch eine Kolo-

nialmacht. Ich komme gerade von einer Uno-Mission

in die besetzten Gebiete von Palästina zurück: 3,3 Mil-

lionen Menschen leben auf 5800 km

2

. Die israelische

Besatzungsarmee zerstört periodisch Gemüsefelder, Ba-

nanenplantagen, Brunnen und Quellen und exportiert

immer neues palästinensisches Agrarland zugunsten der

Kolonisten. Resultat: die neueste Weltbankstudie zeigt,

dass 61 Prozent der Palästinenser unter der Extrem-Ar-

muts-Linie leben; 15,6 Prozent der Kinder unter 5 Jah-

ren leiden an akuter Anämie; viele unter ihnen tragen

bleibende Gehirnschäden davon.

Die schweizerische Entwicklungshilfe leistet in der

Hungerbekämpfung weltweit hervorragende Arbeit.

Dank Deza-Direktor Botschafter Walter Fust muss in

jedem von der Deza finanzierten Infrastrukturprojekt als

Priorität das Menschenrecht «Nahrung» absolute Prio-

rität geniessen. Micheline Calmy-Rey unterstützt diesen

Kampf energisch. Ein neuer Rahmenkredit für «Frie-

denssicherung und Menschenrechte» ist gegenwärtig vor

dem Parlament. Jeder weiss im Berner Bundeshaus so gut

wie in der New Yorker Uno-Zentrale: nie und nirgends

auf dieser Welt wird es wirklichen Frieden und wirkliche

Menschenwürde geben, ohne dass zuvor von diesem vor

Reichtum überquellenden Planeten der Fluch der Unter-

ernährung und des Hungers verschwindet.

Jean Ziegler

Die Bank für eine

andere Schweiz.

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Ich interessiere mich

für ökologisch-ethische Fonds.

Bitte schicken Sie mir

Unterlagen und beraten

Sie mich.

Bitte Talon ausfüllen und einsenden an:

Alternative Bank ABS,

Leberngasse 17, Postfach, 4601 Olten

Die ABS berücksichtigt mit dem Vertrieb

von Fonds einen KundInnenwunsch und er-

schliesst ein ergänzendes Geschäftsfeld.

Das Bedürfnis nach ökologisch-ethi-

schen Anlagefonds ist auch bei der Kund-

schaft der Alternativen Bank ABS in den

letzten Jahren gewachsen. Die ABS hat sich

deshalb entschlossen, zwei Fonds anzu-

bieten, welche in die ABS-Geschäftspolitik

passen: den «Sarasin OekoSar Portfolio»

und den «Sarasin ValueSar Equity».

Wir informieren und beraten Sie gerne über

die Besonderheiten dieser Anlagen. Denn

die Alternative Bank ABS steht nach wie

vor für nachhaltiges Wirtschaften und für

Transparenz ein. Deshalb sei auch aus-

drücklich darauf hingewiesen, dass sich die

ausgewählten Fonds nicht für kurzfristiges

Spekulieren eignen und stattdessen Weit-

sicht und Geduld erfordern.

Langfristiges Denken

zahlt sich aus.

Umdenken und investieren statt spekulieren.

Jean Ziegler ist Uno-Spezial-

berichterstatter für das Recht

auf Nahrung. Autor der Bücher

«Die neuen Herrscher der

Welt und ihre globalen Wider-

sacher», Verlag Bertelsmann,

2003; «Wie kommt der Hunger

in die Welt?», Verlag Gold-

mann, 2002.

Jean Ziegler

Foto: Keystone/Alessandro Della Valle