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Nr. 3 | 15. Sept. 2003

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Impressum

Zeitung für Geld und Geist. Nr.3, 15. September 2003

moneta erscheint mindestens vierteljährlich in deutscher und französischer Sprache. Wiedergabe von Texten und eigenen

Illustrationen nur unter Quellenangabe und mit schriftlicher Zustimmung der Redaktion.

Herausgeber:

HerausgeberInnenverein moneta

Redaktion:

Ruth Hugi, Felix Bührer, Aldo Clerici, Dominique Roten und

Dominique Zimmermann

Redaktionelle Mitarbeit:

Christine Loriol, Milena Moser, Simonetta Sommaruga, Charlotte

Spindler, Kathy Zarnegin, Jean Ziegler

Layout und Produktion:

Clerici Partner, Zürich

Druck:

ROPRESS Genossenschaft,

Zürich

Verlag:

moneta, Leberngasse 17, Postfach, 4601 Olten, Telefon 0622061616

Redaktionsadresse:

moneta,

Feldstrasse 10, Postfach, 4901 Langenthal, Telefon 0629229156, Fax 062 922 04 88, E-Mail:

hugiruth@bluewin.ch

Abonnemente:

Jahresabonnement Fr. 20.–, Förderabonnement Fr. 50.–

Auflage dieser Ausgabe:

16500 Ex.

Beilagen und Inserate: Wir machen darauf aufmerksam, dass Beilagen, die nicht von der ABS selbst oder von moneta beigelegt

werden, bezahlt sind und deshalb den ebenfalls bezahlten Inseraten gleichkommen – die Einnahmen daraus helfen uns,

die Produktionskosten der Zeitung zu reduzieren.

Kolumne

Geld ist wie ein lustiger

alter Freund

Ich kauere auf der Treppe, die mit rotem Teppich ausgelegt ist.

Durch die Messingstäbe des Treppengeländers sehe ich meine Mut-

ter an der Hotelrezeption stehen und aufgeregt verhandeln. Sie

verwirft die Hände. Der Concierge hat die Arme streng verschränkt.

Als wir ankamen, hat er mir noch ein Bonbon zugesteckt. Doch seit

klar ist, dass wir kein Geld haben, wird seine Miene täglich eisiger.

Das alte Auto stand repariert, aber noch unbezahlt in der

Garage. Das Geld, das notfallmässig telegrafisch überwiesen wer-

den sollte, hatte sich in den Nationalfeiertäglichkeiten verloren. Der

Concierge trommelte mit den Fingernägeln auf die schön polierte

Theke. Irgendwo fanden meine Eltern eine Pfandflasche und teilten

sich vom Erlös «un petit café». Den Rest des Tages verbrachten

wir im Park, das kostete nichts. Können Sie mir mal helfen, sprach

uns ein nicht mehr ganz nüchterner Clochard an, mir ist da ein

Zehnfrancstück unter das Dolengitter gerutscht. Meine Eltern wechselten einen Blick: zehn

Francs? Wie viel ist das in «croissants»? Doch sie widerstanden der Versuchung, fischten

das Geldstück hervor und gaben es zurück. Noch Jahre später machte mein Vater ein trau-

riges Gesicht, wenn er das erzählte.

Doch irgendwann kam das Geld ja, und wir gingen gleich als Erstes ganz fein essen.

So war es immer. So bin ich aufgewachsen: mal war Geld da, mal war keines da. Dabei

lebten wir in einem schönen Haus in einer reichen Vorstadt. Nur das für einen reibungs-

losen Alltag nötige Flüssiggeld fehlte eben manchmal. Dann ging mein Vater zum

Buchantiquariat Rohr und verkaufte seine Sammlung deutscher expressionistischer Lite-

ratur. Und dann gingen wir wieder fein essen. Und wenn der nächste Scheck kam, kaufte

er die Bücher wieder zurück. Bis zum nächsten Mal.

Nur einmal wollte er das Geld gleich wieder in Bücher umsetzen, zwei Häuser weiter

bei Oprecht, wo unter dem Ladentisch seltene Anarchisten verkauft wurden. Zwei Hun-

derternoten fielen ihm aus der Brusttasche, und der Buchhändler steckte das Buch wieder

weg: Wer so reich ist, sagte er, braucht keine Anarchisten zu lesen.

Stattdessen gingen wir dann wieder ganz fein essen.

So lebe ich immer noch. Geld bewegt sich nun mal gern. Es will nicht langweilig irgendwo

kleben. Wenn ich es aber grosszügig unter die Leute bringe, wird es immer wieder gern

bei mir hereinschauen. Wie ein nicht sehr zuverlässiger, aber immer lustiger alter Freund.

Milena Moser

Milena Moser (1963) lebt mit ihren zwei Söhnen in San Francisco.

Sie ist Autorin der Bücher «Die Putzfraueninsel», «Das Schlampenbuch»,

«Blondinenträume», «Bananenfüsse», erschienen im Krösus Verlag

und bei rororo.

Milena Moser

Foto: zvg

Inhalt

3

Waschmittel im Sonderangebot

Konsumentin Simonetta Sommaruga

regt an

4

Wie ist alternatives Prassen möglich?

ABS-Banker Felix Bührer

schaut in den Spiegel

7

Lauern auf den Rausch

Psychoanalytikerin Kathy Zarnegin

klärt ab

9

Wie kommt der Hunger in die Welt?

Kämpfer Jean Ziegler klärt auf

11

Denkbild

Sparen ist Wurst

12

Seelen-Klinik im Kurhotel

Erfolgreiches ABS-Kreditprojekt

in Rheinfelden

15

Wenn die Abfallsäcke überquellen

Philosophin Dominique Zimmermann

zum Umgang mit Geld

16

Zwischen Lust und Frust

Visionen des visuellen Gestalters

Aldo Clerici

18

Schöner Wohnen in Spiez

ABS fördert Familienplausch

im Altbau-Hotel

21

Neue Kredite

22

Zahlen zum ersten Halbjahr

23

Die Leute von der ABS

Heute Gerber, Käser und Hildebrand