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Praktische Taten

Konkret: Wir nehmen beispielsweise die Liste aller

ABS-Kredite zur Hand (Beilage jedes ABS-Geschäftsbe-

richts), schlagen zusätzlich die Seite mit den neu bewil-

ligten Krediten in dieser moneta auf und legen los. Na-

türlich müssen wir uns einen Ruck bei den unzähligen

Bestellungen geben, aber wir tun dies schliesslich auch

zur Stärkung des nachhaltigen Wirtschaftens. Dies ist in

einer Rezession, wo alle nur das Billigste wollen und

nicht auf die Qualität schauen, besonders wichtig.

Sollten wir bald einmal an die Grenzen unserer

eigenen Aufnahmefähigkeit an biologisch angebauten

Nahrungsmitteln, an Fair-Trade-Produkten, an von al-

ternativem Handwerk gefertigten Kleinoden, an Veran-

staltungen der Alternativkultur usw. geraten, so bietet

sich eine Steigerungsmöglichkeit an: das nachhaltige

Schenken. Beim Spenden tun sich unendliche Wirkens-

weiten auf, die nur durch unsere finanziellen Mittel be-

grenzt sind. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die

zu schenkenden Geldbeträge Impulse in die reale Wirt-

schaft und ihre Betriebe geben. Schliesslich geht es

darum, dass Menschen arbeiten und sinnvolle Produkte

herstellen können.

Der Charme der Vorbildfunktion

Wie Sie sogleich merken werden, liebe LeserInnen,

kann ich eine gewisse subjektive Befangenheit nicht

ganz abstreifen. Entscheidend ist ja volkswirtschaftlich,

dass viele und immer mehr korrekt alternativ prassen

und die Spendierhosen beziehungsweise -röcke anzie-

hen. Sonst gewinnt das von uns gewünschte nachhaltige

Wirtschaften zu wenig an Boden. Und in diesen gesamt-

wirtschaftlichen Dimensionen gleicht die alternative

Prasserei der Einzelperson oder -familie dem berühmten

Tropfen auf den heissen Stein. Also dürfen wir auch un-

sere FreundInnen, Bekannten und Verwandten – selbst-

verständlich unaufdringlich – zu nachhaltigem Mehr-

konsum und Spendenfreudigkeit animieren. Auch wenn

die Angesprochenen dies manchmal ein wenig irritie-

rend finden mögen. Mir ist dies egal, denn ich schätze

den urwüchsigen Charme der Vorbildfunktion hoch ein.

Schon meine holprig geschlechtsneutrale Sprechweise

ist vielleicht nicht ölig elegant, aber dafür bewusst und

ehrlich.

Vergessen wir die gleich oder ähnlich Gesinnten in

den wichtigsten Importländern von Schweizer KMU-

Produkten nicht, vor allem in Deutschland. Dort muss

die verbreitete Geiz-Haltung sofort überwunden wer-

den. Wer von unseren deutschen FreundInnen beim

Stichwort Schweiz sogleich an Steuerparadies oder

Geldwäscherei denkt, sollte uns zugute halten, dass in

der Schweiz immerhin die Alternative Bank ABS und

der Verein Innovationsfonds tätig sind und zudem die

Zeitschrift moneta herausgegeben wird.

Die Grenze von Appellen

Soweit so gut, . . . aber alle noch so einsichtigen

Gedanken zur korrekt alternativen Prasserei in unserer

lahmenden Wirtschaft entlasten mich nicht, den mir

angemessenen, eigenen Lebensentwurf zu entwickeln.

Da bin ich auch mit meinen angegrauten Haaren noch

immer auf der Suche und lasse mich grundsätzlich nur

ungern durch Appelle, eingängige Denkgebäude und

vorgespurte Handlungsanweisungen beeinflussen und

drängen. Man oder frau könnte dies Freiheit nennen,

Freiheit mit viel Wovon und ausgewähltem Wozu.

Das musste hier in der moneta einmal gesagt sein.

Felix Bührer

felix.buehrer@abs.ch

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Nr. 3 | 15. Sept. 2003

Prassen und Geizen

* «Hey, big spender, / Spend

a little time with me»

Aus einem Song von Peggy

Lee: «Big Spender»,

Text von Cy Coleman und

Dorothy Fields, 1965

Felix Bührer ist Mitglied der

moneta-Redaktion und

der ABS-Geschäftsleitung.

Foto: Interfoto