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Thomas Bieri erläutert, dass sich hierzulande keine Tra-

dition von Geldausleihungen auf minimaler Stufe via Ban-

ken entwickelt hat. Wer die Selbstständigkeit anstrebt, muss

heute primär auf eigene Ersparnisse setzen, auf Gelder aus

der Zweiten Säule oder auf das Umfeld von Familie oder

Bekannten, um Darlehen zu erhalten. Es gebe nur wenige

Bürgschaftsgenossenschaften in der Schweiz, welche die

Risiken von Unternehmensgründungen abdecken helfen.

Kleinen Krediten von mehreren zehntausend Franken

stehen aber auch banktechnische Hindernisse gegenüber.

Werden sie gewährt, ohne dass entsprechendes Eigenkapi-

tal oder Sicherheiten vorhanden sind, so sind die Risiken

entsprechend höher. Höhere Risiken bedeuten teurere

Zinskonditionen. Zudem ist der Beratungs-, Abklärungs-

und Abwicklungsaufwand nahezu gleich gross wie bei ei-

nem grösseren Kredit. Auch das bedeutet, dass derartige

Kredite nur angeboten werden können, wenn die Zinskon-

ditionen entsprechend hoch angesetzt werden. Das ist bei

Mikrofinanzierungen, wie sie auch im übrigen Europa an-

geboten werden, zwar durchaus üblich; in der Schweiz hat

sich dies jedoch noch nicht etabliert. Günstige Mikro-

finanzierungen gibt es hierzulande sehr wenige, und die

wenigen existierenden Institute vergeben ihre Kredite aus

Spendengeldern und arbeiten teilweise ehrenamtlich. Die

ABS denkt zwar über ein solches Produkt und Erfolg ver-

sprechende Konditionen nach, sieht aber zurzeit einige

Voraussetzungen nicht als gegeben an.

Am ehesten mit den viel diskutierten Mikrofinanzie-

rungen sind – was die Beträge betrifft – die Privat- und Kon-

sumkredite zu vergleichen. In diesem Geschäft ist die ABS

jedoch nicht tätig, auch aus ethischen Gründen: «Wir wol-

len nicht die persönliche Verschuldung fördern.» Da ein

regelmässiges Einkommen in der Regel vorausgesetzt wird,

können Privatkredite nicht zum zukunftsorientierten Auf-

bau eines Geschäfts – der Bedarf einer Mikrofinanzierung

bleibt somit ungelöst –, sondern nur zur Anschaffung von

Konsumgütern gebraucht werden, die man sich eigentlich

gar nicht leisten kann. Weil hier grosse Risiken vorhanden

sind, verlangt der Geldgeber über hohe Zinsen eine Ent-

schädigung.

Kleine Kredite sind für die ABS solche, die unter 50 000

Franken liegen. Es kommt dennoch vor, dass die Bank

solche Kredite gewährt. «Aber nur gegen vollständige Si-

cherheit», wie Thomas Bieri betont. Solche Sicherheiten

können vorhandene Guthaben oder Wertschriften, Bank-

garantien oder Bürgschaften sein. Sind sie nicht vorhan-

den, klopft ein Interessent oder eine Interessentin auch bei

der ABS vergeblich an. Auch das hat seine Gründe. So ist

die ABS nur an zwei Standorten mit Filialen vertreten und

kann daher eine detaillierte Kreditprüfung vor Ort nicht

vornehmen. Schon von ihrer Organisation und ihrer Struk-

tur her sei die Alternative Bank ABS nicht für kleine Kredite

prädestiniert, sagt Thomas Bieri. Dafür brauche es Markt-

nähe, lokale Kenntnisse und persönliche Beziehungen, wie

sie lokal oder regional tätige Banken hätten. Die ABS kon-

zentriert sich daher in ihrer geschäftspolitischen Ausrich-

tung eher auf grössere Kredite in den ihr nahe stehenden

Bereichen wie etwa alternative Energien, ökologische und

soziale Unternehmen oder nachhaltiges Bauen.

Oft ist die ABS mit Gesuchstellerinnen und Gesuch-

stellern konfrontiert, auf deren Anliegen sie aus den er-

wähnten Gründen nicht eintreten kann. «Da bleiben

manchmal Enttäuschungen zurück», bedauert Thomas Bieri.

Aber dies sei unvermeidlich, wenn Erwartungen vorhanden

seien, welche die Bank einfach nicht erfüllen könne. Nicht

selten kommt es zudem vor, dass die ABS als «letzte Hoff-

nung» angegangen wird, indem sie in Krisenfällen um Rest-

finanzierungen neben anderen Banken angegangen wird.

Dann muss sie Entscheide fällen, die ihr nicht immer leicht

fallen.

Hingegen ist die ABS mit dabei, wenn es um die Förde-

rung von Start-ups geht, allerdings nur im Kreditbereich

und nicht beim Aufbau von Eigenkapital. Diese Aufgabe

übernehmen in der Regel spezialisierte Beteiligungsgesell-

schaften oder in bescheidenem Ausmass auch der Innova-

tionsfonds der ABS. Die ABS fungiert bei Jungunternehmen

als eine Kooperationspartnerin von mehreren. Eine Vor-

aussetzung ist, dass solche Firmen ein Potenzial für eine er-

folgreiche Entwicklung aufweisen. Thomas Bieri nennt als

Beispiel die Lian Chinaherb AG, die im Jahr 2000 in Wol-

lerau gegründet wurde. Die Firma schloss eine Marktlücke,

indem sie ein breites Angebot an chinesischen Heilkräutern

zur Verfügung stellt, welche die von der chinesischen Me-

dizin geforderten hohen Qualitätsansprüche erfüllen. Wei-

tere Beispiele sind die Hutter & Schmid AG in Wald AR, die

artgerechtes Katzenfutter herstellt, oder die Zürcher Inter-

comestibles AG, die im Getränkehandel tätig ist.

In einem Kernbereich von ABS-Finanzierungen, dem-

jenigen der erneuerbaren Energien, hat sich die Bank seit

Jahren einen Ruf als kompetente Finanzierungspartnerin

geschaffen. Neue Kreditbegehren für Projekte gelangen zur

ABS oft durch reine Mund-zu-Mund-Propaganda, wie Tho-

mas Bieri weiss. Indessen ist dieser Ruf der ABS nicht in den

Schoss gefallen. Sie pflegte und pflegt solche Partnerschaf-

ten und macht immer wieder an einschlägigen Kongressen,

Tagungen und Veranstaltungen auf ihre Kreditleistungen

aufmerksam.

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Ralph Hug,

hug@pressebuero-sg.ch

Nr. 2

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20.

Juni

2005

MIKROKREDIT //

11

Wenn die ABS

kleine Kredite vergibt

ALTERNATIVE BANK ABS__

Die ABS gewährt keine Mikrokredite. Auch bei

sehr kleinen Krediten ist sie eher zurückhaltend. Über die Pro-

blematik des Geschäfts mit kleinen Krediten (bis 50 000 Franken)

hat sich moneta mit Thomas Bieri, Bereichsleiter Kredit-

produktion, unterhalten.

Foto: Rudolf Steiner

«Günstige Mikrofinanzierungen gibt es in der Schweiz sehr

wenige, und die wenigen Institute vergeben ihre Kredite aus

Spendengeldern und arbeiten teilweise ehrenamtlich.»

Thomas Bieri