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Von den Philippinen über Nicaragua bis nach Ghana

oder Bulgarien. Die 30 Schwerpunktländer von Oikocredit

liegen auf allen Kontinenten. Das Engagement bei der

Banco Solidario in Ecuador ist nur eines von etwa 400 Pro-

grammen und Projekten, an denen sich Oikocredit betei-

ligt. Und doch sehr typisch, wie sich Mónica Hernández,

Mitgründerin und Vizepräsidentin der Banco, erinnert: «Die

Investitionen von Oikocredit kamen genau im richtigen

Moment, als niemand mehr in Ecuador investieren wollte!»

In der tiefen Wirtschaftskrise Ende der 90er-Jahre wurde in

Ecuador sogar die eigene Währung abgeschafft und durch

den US-Dollar ersetzt. Die Investoren verliessen Ecuador

fluchtartig. Resignation beherrschte das Land. Da waren die

Aufsehen erregenden Investitionen und Darlehen von Oiko-

credit von umgerechnet rund drei Millionen Schweizer

Franken hilfreich: «Damit konnten wir zeigen, dass nicht

nur Kapital aus dem Land abgezogen wird, sondern auch

neues Geld reinkommt, trotz aller wirtschaftlichen Widrig-

keiten», kommentiert Mónica Hernández rückblickend.

Mikrokredite kein Heilmittel

Als international tätige Entwicklungsgenossenschaft kann

Oikocredit nicht Kleinkredite an die Erdbeerpflanzerfami-

lie in Otavalo oder die Coiffeuse in Accra verleihen. Sie

finanziert mit ihren Darlehen ganze Banken oder Dar-

lehenskooperativen, die ihrerseits der Tortilla-Bäckerin auf

dem Markt in Managua oder der Marktfrau in Davao-City

ein Konto oder einen Kredit anbieten können. Über solche

zwischengeschaltete lokale Finanzstrukturen wie zum Bei-

spiel die Banco Solidario ist es möglich, auch ganz arme Be-

völkerungsschichten zu erreichen. Gemäss den Vereinten

Nationen bräuchten 400 bis 500 Millionen Menschen

Mikrokreditprogramme – bisher haben erst einige zehn

Millionen von ihnen Zugang zu dieser Art von Darlehen.

Die herzerwärmenden Geschichte(n) etwa der Grameen-

Bank

(www.grameen-info.org)

haben die Mikrokredite po-

pulär gemacht. Doch sie sind kein Allheilmittel, sondern

ein Finanzinstrument wie andere auch. Mikrokredite kön-

nen kontraproduktive Wirkung haben, wenn Menschen

animiert werden, sich zu verschulden, um risikoreiche Pro-

jekte einzugehen oder teure Konsumausgaben zu tätigen.

Die kleinen Kredite sollten Entwicklung fördern und nicht

nur den Kapitalismus im letzten Tal und Hochland zum

Blühen bringen. Doch der heutige Boom beinhaltet die

Gefahr der Überhitzung. Deshalb sind zurzeit Profes-

sionalität, Kundenorientierung und kritische Reflexion

besonders gefragt. Gleichzeitig werden aber steigende Sum-

men in den Sektor investiert. Immer mehr Mikrokredit-

fonds versprechen gute Renditen bei diesen moralisch

hochwertigen Kapitalanlagen in der Dritten Welt. Die

weltweit führenden etwa 200 Mikrofinanzinstitutionen

samt Ratings, Screens und Banken-Know-how haben je-

denfalls kaum Finanzierungsprobleme, selbst wenn ihre

Geschäfte noch lange nicht schwarze Zahlen schreiben.

Lokale Präsenz entscheidend

Gemäss den Mikrofinanzspezialisten der Beratungsgruppe

zur Unterstützung der Ärmsten

(www.cgap.org)

ist Oiko-

credit weltweit eine der grössten sozialverantwortlichen

Investorinnen in Mikrofinanz. Mikrokreditprojekte wur-

den bereits unterstützt, bevor sie so genannt wurden. So

bedeutet das Uno-Jahr auch eine Anerkennung der eigenen

Arbeit. Bewusst wurden dabei auch die eigenen Stärken,

gerade im Vergleich mit Banken, die neu in den Sektor in-

vestieren:

– Oikocredit setzt auf lokale Netzwerke und Finanzinsti-

tute, oft Nicht-Regierungsorganisationen oder Genos-

senschaften, bei denen Mikrofinanzprogramme nur ein

Teil des entwicklungspolitischen Engagements sind.

– Oikocredit fliegt seine Experten nicht aus New York

oder Genf ein, sondern verfügt über einheimische Fach-

leute vor Ort und hat als Genossenschaft in dreissig

Jahren ein Netz gleichberechtigter Mitspieler aus dem

Süden und dem Norden aufgebaut.

– Oikocredit hat die «Unbankables» im Auge und fördert

deshalb besonders auch ländliche Mikrofinanzpro-

gramme und vergibt langjährige Kredite statt auf kurz-

fristige Profite zu zielen.

– Oikocredit stellt die Mikrofinanzen in den Mittelpunkt

und nicht nur die Kreditvergabe, denn Sparen ist so

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Kredite an lokale

Finanzinstitutionen

SOZIALVERANTWORTLICH__

Mit fairen Darlehen fördert Oikocredit

seit 30 Jahren Mikrofinanzorganisationen, Entwicklungs-

projekte und produktive Genossenschaften. Das Kapital dazu

stammt von Menschen, die Geld sozialverantwortlich

anlegen wollen. Gut 25 Millionen Franken davon kommen

aus der Schweiz.