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KOLUMNE

Keine Eier legende

Wollmilchsau

Die Uno hat das Jahr 2005 zum Jahr des Mikrokredits

(International Year of Microcredit) erklärt. Damit drohen

Mikrokredite endgültig zum letzten Schrei in der Ent-

wicklungszusammenarbeit zu werden. Moden sind aber

hier – wie fast überall – gefährlich. Natürlich sollen

die positiven Auswirkungen, die erfolgreiche Mikro-

finanzprojekte für Frauen und Männer im Süden haben,

nicht übersehen werden; die Erfolge eines Instruments dürfen aber nicht mit

einer erfolgreichen Entwicklungsstrategie verwechselt werden.

Mikrokredite sind ein Instrument, um zu versuchen, Einzelnen mehr Einkom-

men zu verschaffen. Auch das gelingt nicht immer, denn die «Kleinunter-

nehmerInnen», welche die Kredite aufnehmen, brauchen ein Umfeld, das es er-

laubt, ausreichende Profite zu erzielen. Immerhin betragen die durchschnitt-

lichen Zinsen 20 bis 40 Prozent, ein Niveau, mit dem bei uns kein Unternehmen

Erfolg hätte. Bäuerinnen und Bauern, die mit Hilfe eines Mikrokredites ihre

landwirtschaftliche Produktion steigern, brauchen einen lokalen Markt, auf dem

sie ihre Produkte verkaufen können, und sie brauchen Verkehrswege, um

den Markt überhaupt zu erreichen. Städtische Anbieter von Produkten und Dienst-

leistungen können nur dann erfolgreich sein, wenn in ihrer Umgebung genü-

gend Einkommen vorhanden ist und genug Geld zirkuliert. Erfolgreiche Mikro-

finanzprojekte setzen also ein gewisses Entwicklungsniveau bereits voraus.

Für die Entwicklung einer Region oder gar eines ganzen Landes können Mikro-

finanzprojekte allein nicht viel ausrichten. Entwicklung braucht auch Schulen,

Gesundheitsposten und Spitäler, Strassen, Brücken und Verkehrsverbindungen. In

diesen zentralen Bereichen spielen Mikrokredite keine Rolle, ebenso wenig kön-

nen sie in Katastrophensituationen oder Elendsgebieten helfen.

Es ist deshalb absurd, wenn erfolgreiche Mikrokreditprojekte als Beweis für

die These hinhalten müssen, dass der «Privatsektor» grundsätzlich bessere Ergeb-

nisse bringt als der Staat oder die Entwicklungshilfe. Bei der Gründung neuer

Mikrofinanzinstitutionen war und ist fast immer Entwicklungshilfegeld im Spiel.

Nur eine kleine Minderheit der Institutionen ist nach harten wirtschaftlichen

Kriterien stabil und unabhängig von Entwicklungshilfegeldern oder Subventionen

des Staates.

Zwiespältig ist das Engagement von Banken, wie der Credit Suisse, im Mikro-

finanzsektor. Denn die Schweizer Privat- und Grossbanken tragen mit der

globalen Ausrichtung ihres Private Banking (der Vermögensverwaltung für sehr

reiche Kundschaft) dazu bei, dass Milliarden aus den Entwicklungsländern ab-

wandern – zum grössten Teil unversteuerte Vermögen. Würde nur ein Bruchteil

dieses Kapitals in den Ländern selbst investiert und korrekt versteuert, so wäre

die Wirkung sehr viel grösser als das PR-trächtige Engagement der CS im Mikro-

finanzbereich.

Andreas Missbach

andreas.missbach@evb.ch

Andreas Missbach leitet das Programm «Banken und Finanzplatz Schweiz»

bei der Erklärung von Bern. Die EvB wurde 1968 gegründet und ist eine parteipolitisch

und konfessionell unabhängige Organisation für solidarische Entwicklung.

INHALT

HAUPTTHEMA: MIKROKREDIT

3

GIAN TREPP

Mikrokredit ist Dialog

5

WESTSCHWEIZ

Guter Wille reicht nicht

6

RESPONSABILITY

ABS leistete Starthilfe

8

MÓNICA HERNÁNDEZ DE PHILLIPS

Mit Kredit die Lebenssituation

verbessern

11

ABS

Wenn die ABS kleine Kredite vergibt

12

OIKOCREDIT

Sozialverträgliches Engagement

seit fast 40 Jahren

14

BIOCREDA

Kredite für Schweizer Bioläden

DENKBILD

17

Bio und billig

ABS SEITEN

18

Eine Lehre bei der ABS

18

Generalversammlung:

über das Primat der Ethik

19

Merci Ethischer Rat

20

Die Ethik-Kontrolle

wirksamer gestalten

22

Anlagefonds bei der ABS

23

Leute von der ABS:

Bruno Bisang und Jason Young

DIE LETZTE

24

PRIX EGALITÉ

Vorbildliche Frauenpolitik der ABS

2

moneta

ZEITUNG FÜR GELD UND GEIST

//

NR.

2 // 20.

JUNI

2005

moneta erscheint mindestens vierteljährlich in deutscher und französischer Sprache. Wiedergabe von Texten und eigenen Illustrationen nur unter Quellenangabe und mit schriftlicher Zustimmung der Redaktion

// Herausgeber

HerausgeberInnen-Verein moneta

// Redaktion

Ruth Hugi (verantwortlich), Aldo Clerici, Claudia Nielsen, Dominique Roten und Dominique Zimmermann

// Redaktionelle Mitarbeit

René Hornung,

Ralph Hug, Beat Hugi, Andreas Missbach, Corinne Moesching, Karl Johannes Rechsteiner, Charlotte Spindler, Wolf Südbeck-Baur, Gian Trepp

// Layout und Produktion

Clerici Partner, Zürich

// Druck

ROPRESS Ge-

nossenschaft, Zürich

// Verlag

moneta, Leberngasse 17, Postfach, 4601 Olten, Telefon 0622061616

// Redaktionsadresse

moneta, Feldstrasse 10, Postfach, 4901 Langenthal, Telefon 0629229156, Fax 0629220488,

E-Mail:

hugiruth@bluewin.ch

// Abonnemente

Jahresabonnement Fr. 20.–, Förderabonnement Fr. 50.–

// Auflage dieser Ausgabe

16600 Ex.

// Beilagen und Inserate

Wir machen darauf aufmerksam, dass Bei-

lagen, die nicht von der ABS selbst oder von moneta beigelegt werden, bezahlt sind und deshalb den ebenfalls bezahlten Inseraten gleichkommen – die Einnahmen daraus helfen uns, die Produktionskosten der

Zeitung zu reduzieren.

Andreas Missbach

Foto: zvg