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Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer

ärmer, so lautet das triste Fazit der Politik der Grosskredite,

welche die internationalen Entwicklungsbanken jahrzehnte-

lang betrieben haben. Zigmilliarden investierte die Welt-

bank mit ihren Regionalbanken und spezialisierten Kredit-

agenturen in Asien, Afrika und Südamerika. Doch die mit

dem vielen Geld finanzierten gigantischen Infrastruktur-

projekte vermochten das Los der Armen nicht wesentlich

zu verbessern, sie blieben passive Almosenempfänger. Aus

der Asche der gescheiterten Politik der internationalen

Grosskredite ist jetzt der Phoenix des Mikrokredites auf-

gestiegen. Also die Idee, die Armen mit gezielten Klein-

krediten zu autonomen Wirtschaftssubjekten zu machen,

die eigenverantwortlich für ihr ökonomisches Überleben

sorgen können.

Gesponsert von der US-Grossbank Citicorp, der US-

Kreditkartenorganisation Visa, der holländischen Gross-

bank ING und der Stiftung von US-Milliardär Ted Turner

hat die Uno 2005 zum Jahr des Mikrokredites ausgerufen

(www.yearofmicrocredit.org

). Und bereits bei Halbzeit die-

ser Initiative darf von einem grossen Erfolg gesprochen

werden. In über achtzig Staaten entstanden Komitees, die

sich der Stärkung der Idee des Mikrokredites und darüber

hinaus einer umfassenden Mikrofinanz widmen. Einer

Mikrofinanz, die sicherstellt, dass auch Besitzlose und

Kleinstverdienende Zugang zu verlässlichen Institutionen

des Spar- und Kreditwesens bekommen. Auch in der Schweiz

stiess das Uno-Jahr in Finanzkreisen auf einiges Interesse;

Banken und Vermögensverwalter müssen ihrer Kundschaft

eine breit diversifizierte Palette von Anlagemöglichkeiten

anbieten können und sind deshalb am Mikrokredit als

ethisch korrektes, sozial- und umweltverträgliches Anlage-

vehikel interessiert. «Big Finance meets Microfinance»

(deutsch: «Die Hochfinanz grüsst die Mikrofinanz»), unter

diesem sinnigen Motto haben die Banker am Sitz der

Schweizer Börse SWX in Zürich vor sechs Monaten den

Auftakt zum Uno-Jahr gefeiert.

Anfang April lancierte dann die auf sozialverträgliche

Investitionen spezialisierte Anlageberatungsfirma Respon-

sability AG mit dem «Responsability Global Microfinance

Fund» erstmals in der Schweiz einen Fonds, der es auch

Kleinanlegerinnen und Kleinanlegern erlaubt, in die Mikro-

finanz zu investieren. Wobei das Geld nicht direkt an die

einzelnen Kreditnehmenden geht, sondern an lokale, bank-

ähnliche Organisationen vor Ort, die Mikrofinanzinstitu-

tionen, welche das nötige Wissen für die Bonitätsprüfung

haben. Der neue Fonds verspricht laut Responsability einen

doppelten Ertrag: «Anlegende investieren in die wirtschaft-

liche Entwicklung und Armutsbekämpfung, gleichzeitig er-

halten sie eine finanzielle Rendite.» Hinter Responsability

stehen mit der Credit Suisse, der Raiffeisenbank, der Basler

Privatbank Baumann&Co. und der Alternativen Bank ABS

vier namhafte Schweizer Institute. Auch in Bundesbern ist

Responsability gut verankert; die Direktion für Entwick-

lungszusammenarbeit Deza liefert technische Beratung,

während das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco sich mit

einer Anschubfinanzierung von drei Millionen Franken am

Kapital des neuen Fonds beteiligte.

Für Arthur Vayloyan, Leiter von Credit Suisse Private

Banking Schweiz, ist «die Firma Responsability der Dreh-

und Angelpunkt», um Zugang zu den Institutionen der

Nr. 2

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20.

Juni

2005

MIKROKREDIT //

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MIKROFINANZ__

Gutes tun und damit Geld verdienen,

geht das? Wer garantiert den Armen im Süden,

dass sie von den reichen Nordländern unter dem

Banner des Mikrokredites nicht einmal mehr

ausgebeutet werden?

Die Quadratur des Zirkels

Die Armen sollen

mit gezielten Klein-

krediten zu auto-

nomen Wirtschafts-

subjekten gemacht

werden, die eigen-

verantwortlich

für ihr ökonomisches

Überleben sorgen

können.

Fotos: Oikocredit