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Vor drei Jahren beteiligte sich die ABS mit 39 000 Fran-

ken Aktienkapital an der Responsability AG. Dahinter stand

die Überlegung, dass «die ABS als Schweizer Bank zwar nur

im Inland Kredite vergeben kann, aber trotzdem einen Bei-

trag zur Verbesserung der Welt leisten will», wie es Verwal-

tungsratspräsidentin Claudia Nielsen formuliert. So konnte

einer Organisation auf die Beine geholfen werden, die ein

neues Feld bearbeitet – jenes der Mikrokredite. Keiner der zu-

vor in der Schweiz zugelassenen Fonds hatte diese Mikro-

kredite im Visier.

«Wir wollten den Initianten zum Start verhelfen. Es

handelte sich bei unserer Beteiligung aber nicht um ein

Bankgeschäft im engeren Sinne und auch nicht um Marke-

ting, sondern um ein Startgeld. Wir haben Risikokapital zur

Verfügung gestellt», so die Verwaltungsratspräsidentin. Die

Mittel sind keine Kundengelder, sondern Spenden und Tei-

le des ABS-Gewinns.

Während und nach der Gründung beteiligten sich wei-

tere Organisationen an Responsability. «Das Kind ist in-

zwischen gewachsen», kommentiert Claudia Nielsen, «und

kommt ohne uns aus.» Das Staatssekretariat für Wirtschaft

(Seco) hatte ebenfalls Starthilfe gegeben, die Raiffeisen-

gruppe sowie die Basler Privatbank Baumann&Co. ge-

hören heute zu den Aktionären. Die CS ist mit einem A-

fonds-perdu-Darlehen dabei. Der Fonds ist inzwischen in

der Schweiz zugelassen, und die Trägerschaft leistet wich-

tige Grundlagenforschung zum Thema Mikrokredite. Aller-

dings: Die ABS vertreibt den Responsability-Fonds gegen-

wärtig nicht, denn die Bank ist mit Fonds grundsätzlich

zurückhaltend (siehe Kasten).

Inzwischen steht bei Responsability eine Kapital-

erhöhung zur Diskussion; daran werde die ABS nicht

teilnehmen können, so Claudia Nielsen. Weil die ABS

zur «vergleichsweise immer kleineren Partnerin von Res-

ponsability» werde, ohne direkten Einfluss oder Sitz im

Verwaltungsrat, ziehe sie sich aus der aktiven Begleitung

zurück.

Das Engagement bei der wachsenden Organisation Res-

ponsability habe die ABS in ein Dilemma gebracht: «Unser

Logo ist beliebt und in den Medienberichten über Res-

ponsability kommt oft die Spannweite der Beteiligten zur

Sprache – von der ABS bis zur CS.» Heute müsse man Res-

ponsability aber auch kritische Fragen stellen. Die Orga-

nisation vermittelt in Afrika, Asien und Lateinamerika

Zugang zu relativ «grossem» Geld. «Das kann auch eine Ge-

fahr sein», findet Claudia Nielsen, und sie ergänzt: «Mikro-

kredite sind nicht einfach nur positiv.» Es gebe erst wenige

gute Partnerorganisationen. Nicht alle sind dem Zustrom

gewachsen. Es mögen noch vergleichsweise kleine Sum-

men sein, dennoch bietet Mikrofinanz im Vergleich zu kon-

ventionellen Börsengeschäften offenbar eine interessante

Alternative.

Wo liegen die konkreten Probleme? «Internationales

Mikrokreditgeld kann lokales Anlagegeld verdrängen», so

Claudia Nielsen. Sie verweist auf die «Claro»-Richtlinien.

Danach darf der Exportanteil nicht mehr als 50 Prozent be-

tragen, damit die lokalen Märkte nicht zerstört werden.

«Der kleinräumige, direkte Bezug zwischen Geldgeberin

und Kreditnehmerin ist unter sozialen und ökologischen

Gesichtspunkten immer das Sinnvollste», so Claudia Nielsen.

Voraussetzung seien klare ethische Richtlinien und Gren-

zen; schliesslich brauche auch jeder Mikrokredit eine sorg-

fältige Evaluation und eine Begleitung.

Afrika sei für die Mikrokredite ein schwieriges Gebiet;

im Gegensatz zu Asien und Lateinamerika sei die nötige

Organisation weniger weit fortgeschritten. Responsability

ist dort denn auch erst an wenigen Orten aktiv. Gerade die

ärmsten Länder verfügen nur über ein schwach entwickel-

tes lokales Kreditwesen. Noch dominieren internationale

Entwicklungshilfe-Organisationen das Feld. Hier gilt es,

zuerst die grundlegendsten Bedürfnisse der Bevölkerung

abzudecken – Essen, Wohnen, Gesundheitsversorgung.

Wer ums tägliche Überleben kämpfen muss, hat aber kaum

eine Möglichkeit, unternehmerische Ideen zu entwickeln,

die dann mit Mikrokrediten finanziert werden können.

«Für die Allerärmsten sind Mikrokredite weder geeignet

noch geschaffen», stellt Claudia Nielsen deshalb fest.

Doch klar ist auch: Die Hilfswerke bereiten in den ärms-

ten Ländern das Terrain vor, auf dem nachher Mikrokredite

vergeben werden. Dabei wäre es sinnvoller, Strukturen zu

schaffen und zuzulassen, um Kredite aus lokalen Quellen

zu finanzieren und das Kreditwesen im Land aufzubauen.

«Es braucht jedenfalls klare Kriterien und eine Strategie, die

erklärt, was zu tun ist, um die Partner auch wirklich zu stär-

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Nachhaltig Geld anlegen

Wer sein Geld bei der ABS anlegt, weiss, welche Projekte damit finanziert

werden, denn die Kreditlisten werden regelmässig publiziert – eine Pioniertat

für die Schweiz. «Direktkredite erfolgen nach strengen Massstäben und sind

am transparentesten», so ABS-Verwaltungsratspräsidentin Claudia Nielsen.

Allerdings lässt sich mit ethisch verantwortbaren und ökologisch «sauberen»

Anlagen keine grosse Rendite erzielen. Die Rendite, die ein institutioneller

Anleger, zum Beispiel eine Pensionskasse, braucht, kann daraus nicht erwirt-

schaftet werden.

Die ABS bietet den Kundinnen und Kunden aber auch Fonds an. Bisher waren

es zwei Sarasin-Produkte, «OekoSar Portfolio» und «ValueSar Equity». Dazu

kommen neu noch ein weiterer Sarasin-Fonds sowie vier nachhaltige Fonds

der Raiffeisengruppe. Aus Sicht der ABS sind Fonds allerdings immer «mit

einem Abstrich von der reinen Lehre» verbunden. Die Bank vertreibt diese

Anlagen denn auch nur als ergänzendes Angebot.

Die ABS ist auch im Gespräch mit Oikocredit über eine zukünftig engere Zu-

sammenarbeit. Im Moment sind direkte Investitionen hier noch kompliziert,

weil man als Anlegerin zuerst im Förderverein Mitglied werden muss. Oiko-

credit – eine 1975 gegründete international abgestützte Genossenschaft, her-

vorgegangen aus der ökumenischen Bewegung – verfügt über ein Anteil-

scheinkapital von 182 Millionen Euro. Unterstützt werden unter anderem viele

Frauenprojekte in der Dritten Welt. Oikocredit zahlt den Anlegerinnen und

Anlegern zwei Prozent Zins, ein Ertrag, der allerdings aus anderen Finanzge-

schäften und nicht aus den Direktanlagen in den Schwellenländern stammt.

ABS half Responsability

auf die Beine

ENGAGEMENT__

Wer sich in einem Entwicklungs- oder Schwellen-

land mit einem eigenen «business» den Lebensunterhalt verdienen

will, braucht zuerst ein Startkapital. Dafür reichen meist kleine

Beträge aus – so genannte Mikrokredite. Die ABS engagierte sich

in diesem Feld, allerdings nur indirekt, und gründete die

Responsability AG mit.