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ken», so Claudia Nielsen. Und noch eine – wenn auch zweit-

rangige – Kritik übt sie an Responsability: Im Invest-Com-

mitee sitzen nur Männer – dabei seien Mikrokredite in der

Praxis zu mehr als der Hälfte Frauenkredite. Die ABS selbst

hält bei ihrem Kreditausschuss übrigens eine Geschlech-

terquote ein.

Mikrokredite – in Europa spricht man davon bei Aus-

leihungen bis rund 40 000 Euro, in den Drittweltländern

geht es mitunter bloss um einige hundert Dollar – sind die-

ses Jahr nicht nur bekannt geworden, weil die Uno sie zum

Jahresthema gemacht hat. Bei der Bewältigung der Tsuna-

mi-Katastrophe kamen solche kleine Kredite auch immer

wieder zur Sprache: Mit – für unsere Verhältnisse – be-

scheidenen Summen kann den Flutwelle-Opfern in vielen

asiatischen Ländern wieder zu einem sicheren Einkommen

verholfen werden.

Ähnliche Probleme wie bei den Mikrokrediten stellten

sich der ABS früher auch bei der Geldvergabe in der

Schweiz: Der gute Vorsatz, umweltverträglichen und sozi-

alen Unternehmen auf die Beine zu helfen, war anfänglich

gar nicht so einfach umzusetzen. Der ABS floss zwar rasch

viel Geld engagierter Kundinnen und Kunden zu. Doch wo

waren die Projekte, in die dieses Geld auch investiert wer-

den konnte? Inzwischen verfüge die ABS aber über das nö-

tige Know-how und die Kontakte (siehe Beitrag: «Wenn die

ABS kleine Kredite vergibt»). Ähnliche Probleme hätten

auch die Kantonalbanken mit ihren Ökokrediten, meint

Claudia Nielsen.

Wie stehts überhaupt mit Mikrokrediten in der Schweiz?

Ein Landwirt, der mit wenig Geld seine Produktion zum

Beispiel auf biologischen Kräuteranbau umstellen will,

hat Probleme, an einen bescheidenen Kredit heranzukom-

men. Die Beiträge, wie sie zum Beispiel das Gründer-

zentrum «Start» leistet, liegen bereits deutlich über 50 000

Franken. Klar ist, dass bisher eine Struktur fehlte, die Geld

für kleine Projekte gab und dazu auch die Begleitung ge-

währleistete.

Die ABS selber kann sich nicht direkt im Bereich Mikro-

kredite engagieren. Bei der notwendigen Betreuung und

Absicherung müsse sich vermehrt auch die öffentliche

Hand einsetzen, weist die ABS-Verwaltungsratspräsidentin

auf Beispiele in den Nachbarländern hin. Dies würde dem

Bund, wo man sich dort doch die Förderung von KMUs auf

die Fahnen geschrieben habe, gut anstehen. Schliesslich

kommen diese Kredite meist Arbeitslosen oder Migrantin-

nen zugute. Und solche Starthilfen seien allemal billiger

als die langfristige Auszahlung von Arbeitslosenunter-

stützung.

__//

René Hornung

hornung@pressebuero-sg.ch

Nr. 2

//

20.

Juni

2005

MIKROKREDIT //

7

Responsability ohne ABS-Logo

Der Verein Innovationsfonds, unserer Bank nahe stehend, hat 2002 die Res-

ponsability mit 39 000 Frankenmitgegründet und ihr mit zum Start verholfen.

In der Folge benötigte die AG mehr Eigenkapital. In die Lücke traten potentere

PartnerInnen. Die Erteilung der Vertriebsbewilligung für den Fonds schliesst

die Lancierungsphase erfolgreich ab.

Aufgrund der wiederum bevorstehenden Kapitalerhöhung haben wir das

Engagement bei Responsability überprüft. Kapitalmässig halten wir nicht mit.

Der Fonds wird zunehmend grösser und unsere Mitsprachemöglichkeit ge-

ringer.

Gleichzeitig weckt das ABS-Logo, insbesondere in Kombination mit dem der

CS, die Aufmerksamkeit der Medien. Denn es gilt als eine Art Gütesiegel für

sozial-ökologische Finanzierung. Weil unser Einfluss und unsere Einsicht-

möglichkeit nicht mehr ausreichen, um mit unserem Logo weiterhin Gewähr

für die Einhaltung unserer ethischen Grundsätze zu leisten, ziehen wir die Kon-

sequenzen. Wir treten nicht mehr mit unserem Logo bei Responsability auf,

und Claudia Nielsen, VR-Präsidentin ABS, verabschiedet sich aus dem Beirat.

Claudia Nielsen

«Der kleinräumige,

direkte Bezug zwi-

schen Geldgeberin

und Kreditnehmerin

ist unter sozialen

und ökologischen Ge-

sichtspunkten immer

das Sinnvollste»,

sagt ABS-Verwal-

tungsratspräsidentin

Claudia Nielsen.

Foto: Oikocredit