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Thema Schenken

moneta 4—2016

11

Einen Satz hat Janine Fleischli bis heute im Ohr: «Geht

nach Hause und erzählt so vielen wie möglich unsere Ge­

schichten.» Drei Monate lang hat die Heilpädagogin ge­

meinsammit anderen Freiwilligen Beduinen undHirten

in den besetzten palästinensischen Gebieten begleitet

und mit ihnen über ihren Alltag gesprochen. Dieser wird

von den israelischen Behörden und vomMilitär stark regu­

liert. Besonders heftig leiden die Menschen unter dem Abriss

ihrerHäuser.Dazukommt es,weil die palästinensischenBewohner in

einigen Gebieten keine Baubewilligungen erhalten. Wenn sie ihr

Haus dennoch reparierenoder erweitern,kommt es zumAbrissbefehl.

Das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der

Uno konstatiert in einem Bericht vom September 2016 eine wachsen­

de Zahl vonHauszerstörungen.Auchder Zugang zuWasser und Strom

werde erschwert, erzählt Fleischli. Die Freiwilligen sammeln und do­

kumentieren alle Vorkommnisse und leiten sie an Hilfsorganisatio­

nen und die Uno weiter.

Seit einem halben Jahrhundert wiederholt sich der Kreislauf

struktureller Gewalt. «Viele Menschen haben die Hoffnung auf Frie­

den verloren», sagt Fleischli. Dennoch habe sie Momente grosser

Dankbarkeit erlebt,weil sie die Zeitmitgebracht habe,umzuzuhören.

Das habe sie immer wieder motiviert. Berührt hätten sie die Begeg­

nungenmit Frauen, die jenseits von politischen Phrasen und Vorwür­

fen von ihremAlltag in der Familie und ihren privaten Problemen be­

richtet hätten.Fleischli begleitete auchKinder auf demSchulweg,um

sie vor Übergriffen durch das Militär zu schützen. An den Kontroll­

punkten kann die Präsenz der Freiwilligen Aggressionen verhindern.

Präzise Vorbereitung

Das Programm in Israel/Palästina wird vom Hilfswerk der Evan­

gelischen Kirchen Schweiz (Heks) mitfinanziert. Im heiklen Umfeld

des Nahostkonfliktes dürfen die Freiwilligen nicht zwischen die

Fronten geraten. Deshalb kommt es auf die richtige Vorbereitung der

Teilnehmenden an. Zuständig dafür ist

PWS

. Die

NGO

hat viel Erfah­

rung in diesem Bereich. Mehr als 500 Freiwillige waren seit 2001 für

die Organisation in Israel/Palästina, Guatemala, Mexiko, Honduras

und Kolumbien im Einsatz. «Die Freiwilligen haben eine hohe Moti­

vation. Manche nutzen ihr Zwischenjahr für einen Einsatz, andere

Die

NGO

Peace Watch Switzerland (

PWS

)

schützt Menschen in Konfliktgebieten durch in­

ternationale Begleiterinnen und Begleiter

und bringt lokale friedensfördernde Kräfte

zusammen. Janine Fleischli war mit

PWS

im Jordantal.

Text: Bärbel Bohr

einen Berufswechsel oder die Pensionierung, um einmal etwas ganz

anderes zumachen», erklärt Moritz Wyss, Länderkoordinator Kolum­

bien bei Peace Watch.

Herzstück der Vorbereitung ist ein sechstägiges Seminar. Inhaltli­

che Schwerpunkte, erläutert die

PWS

-Trainingsleiterin Barbara Mül­

ler, seien Kultur und Politik des Ziellandes sowie die Stärkung der

interkulturellen Kompetenzen und der persönlichen Resilienz. «Sie

müssen viel geben», sagt Moritz Wyss zu den Anforderungen an die

Freiwilligen. Ausschlaggebend sei ein Verständnis für die Position

aller im Konflikt involvierten Parteien. Bei der Vorbereitung für

einen Einsatz in Israel und Palästina etwa werden dafür je eine Ver­

treterin der Israelischen Botschaft in der Schweiz und der Palästinen­

sischenUno-Mission eingeladen.Beliebt in der Vorbereitung,ergänzt

Müller das Konzept, sei auch der Erfahrungsaustausch mit Ehe­

maligen. Auf diese Weise würden viele Freiwillige über lange Zeit mit

Peace Watch und ihrem Einsatzland verbunden bleiben.

Peace Watch Switzerland sucht laufend neue Freiwillige für

Guatemala, Honduras, Kolumbien und Israel/Palästina.

Die Kosten für Vorbereitung und Flug werden von den Frei­

willigen selber getragen. Sie betragen rund 3000 Franken.

Weitere Informationen:

www.peacewatch.ch.

Die

NGO

hat Bü­

ros in Zürich und Genf.

Neue Freiwillige gesucht

Freiwillige

Begleitpersonen

als Schutz

in

Konflikten

Bärbel Bohr ist Redaktionsmitglied bei der moneta

und Mitglied bei Peace Watch Switzerland.