Table of Contents Table of Contents
Previous Page  14 / 24 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 14 / 24 Next Page
Page Background

Thema Schenken

moneta 4—2016

14

DassGeschenke eine Freundschaft nicht immer vertiefen,

musste neulich ein Bekannter erfahren. Er schenkt gern

und grosszügig. So hatte er einem befreundeten Paar

einen Gutschein für einen gemeinsamen Urlaubmit ihm

überreicht. Das bereute er bitter, als das Paar am Ferien­

ziel ständig herumnörgelte und mit allem unzufrieden

war. Er fühlte sich verantwortlich für die Unzufrieden­

heit seiner Freunde, und der Urlaub wurde zum Stress.

Er fühlte sich letztlich so undankbar behandelt, dass die

Freundschaft zerbrach.

In der schenkenden Rolle dürfen wir denMachtfaktor

nicht vergessen. Es kann zu Ohnmachtsgefühlen führen,

wenn die teuer Beschenkten nicht in der Lage sind, ein

Gegengeschenk von ähnlichem Wert zu machen, genau

das aber von sich erwarten. Als Ausweg aus dem Dilem­

ma werden sie das Erhaltene womöglich abwerten. Erhof­

fen die Schenkenden ausserdem Zuwendung und Liebe

als Gegengabe, ist die Wahrscheinlichkeit einer Enttäu­

schung gross.

Karitatives Geschenk als Lösung

Es gibt einen einfachen Weg, solche Desaster und Ent­

täuschungen zuvermeiden,nämlich,indemman indirekt

schenkt und Dritten, die es nötig haben, eine materielle

Spende zukommen lässt. Diese können Unterstützung

brauchen, und das Weihnachts- oder das Geburtstags­

geschenk wird so zu einem sinnstiftenden Deal. Ausser­

dem kommt niemand in Verlegenheit, was bei Geschen­

ken, die man geschmacklos oder unnütz findet, durchaus

passieren kann.

Viele Non-Profit-Organisationen bieten solche Spen­

den an. Über das Hilfswerk Heks kann man zum Beispiel

ein Dutzend Gänse, ein Plumpsklo, ja einen ganzen Dorf­

laden verschenken. So betont Annelies Hegnauer, Leite­

rinMarketing/Fundraising bei Heks: «Bei unseren Spen­

denden ist diese Geschenkidee seit vielen Jahren sehr

beliebt, sodass wir jedes Jahr neue Produkte anbieten

können. Dieses Jahr trägt ein Maulesel grosse Lasten

durch das unwegsame Gelände in Haiti, ein ganzes Toma­

tengewächshaus bringt den Flüchtlingsfrauen in den

Heks-Gärten eine reiche Ernte, oder ein Wasserfilter für

sauberes Trinkwasser schützt vor Cholera und anderen

Krankheiten. Jedes Produkt bedeutet für die Bedürftigen

eine Zukunftsperspektive, und den Beschenkten gibt es

das wertvolle und schöne Gefühl, selber Hilfe geleistet

zu haben.»

So hat man höchstens die Qual der Wahl und muss

überlegen, wie viel Geld man aufwenden möchte. Ob ein

solches Geschenk dann als Verlegenheitsgeste interpre­

tiert wird, hängt vomGoodwill des Beschenkten ab.

Was schenkt man Freundinnen

und Freunden, die schon

alles haben? Als Lösung für die­

ses Überflussproblem bieten

NGOs karitative Geschenke an:

Statt die wunschlos Glück­

lichen beschenkt man Dritte mit

dringend benötigten Gütern.

Text: Dominique Zimmermann

Hilfe für Dritte

anstatt