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Kolumne

Da hat man das Geschenk

Jürg Odermatt

Onkel Otto schenkte mir zu Weihnachten im­

mer ein Dreierset Stofftaschentücher mit eingestick­

tem «

JO

». Heute wüsste ich eine solche nicht unexzen­

trische, personalisierte Gabe zu schätzen. Für den acht-, neun-,

zehnjährigen Knirps, der auf mehr Gleismaterial, Güterwa­

gen oder gar eine Rangierlok für seine Märklin-Modelleisenbahn

hoffte, bedeutete dieses Geschenk indes Irritation und Ent­

täuschung, umso mehr, als sich der Knirps dafür auch noch zu

bedanken hatte.Man muss aber immer beide Seiten sehen:

Meinerseits verbrachte ich die Vorweihnachtszeit nämlich damit,

leere Instantkaffee-Gläser dick mit Moltofill einzustreichen

und amRheinufer gesammelte, später mit Klarlack bepinselte

Kiesel in die noch weiche Spachtelmasse zu drücken. Die

solcherart verzierten «Vasen» wogen so viel wie ein Kleinwagen

und verstaubten zweckfrei auf den Wohnwandregalen meiner

damit beschenkten Verwandten – auch bei Onkel Otto.

Später gab es Versuche, den Themenkomplex eher konsum­

kritisch-entrüstet anzugehen: Das absurde Weihnachtstamtam,

der überdrehte Kommerz, das heuchlerische Jinglegebell – wer

halbwegs bei Sinnen war,musste doch dagegen sein. So löste man

gleich auch das knifflige Problem des Schenkens und Beschenkt­

werdens auf elegante Art und Weise: Weisst du was? Wir schen­

ken uns einfach nichts! Die Strategie ist zwar gut gemeint, führt

aber zu desaströsen Resultaten: Da stehst du mit leeren Hän­

den neben demChristbaum, siehst, wie sich darunter die Päckli

türmen, und hörst deine umstehenden Liebsten sagen: «Ach,

weisst du, ich dachte halt, nur etwas Munziges, nicht der Rede

wert.» Da hast du dann das Geschenk!

Spätestens wenn auch heuer wieder in den mit Unter­

haltungselektronik-Gadgets und Playmobil-Burgen aufgerüs­

teten Spielwarenabteilungen Whams «Last Christmas»

auf Repeat läuft, Rauchlachs und Rollschinkli in den Kühltruhen

zumAktionspreis wegmüssen und das Verkaufspersonal

in den Warenhäusern lustig gemeinte Samichlausmützen über

müden Gesichtern trägt, weisst du: Es gibt kein Entrinnen!

So, pardon,meine kleine Causerie muss hier enden. Ich suche

für meinen achtjährigen Göttibub noch das passende Weih­

nachtspräsent: Sie können mir glauben, diese Dreiersets Stoffta­

schentücher mit eingesticktemMonogramm sind verdammt

schwer zu finden heutzutage.

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