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Thema Schenken

moneta 4—2016

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Schon bald ist wieder Adventszeit, für viele heisst das:

Zeit zum Spenden. Wie aber kann man wissen, ob ein

Hilfswerk effizient arbeitet und die Spende am Bestim­

mungsort ankommt? Der einfachste Weg ist, auf das Gü­

tesiegel der unabhängigen Organisation Zewo zu achten.

Es bescheinigt, dass ein Hilfswerk strenge Richtlinien

einhält, gemeinnützig und vertrauenswürdig arbeitet

und das Geld nicht in der Verwaltung oder Mittelbeschaf­

fung versickert. Über 500 Organisationen tragen das Gü­

tesiegel undwerden regelmässigüberprüft.Gemäss Zewo

hatten sie 2015 zusammen einen Anteil von sechzig Pro­

zent am schweizerischen Spendenvolumen von rund

1,8 Milliarden Franken.

Aber nicht alle unterstützenswerten Hilfswerke tra­

gen das Zewo-Siegel. Denn der Aufwand und die Kosten

für das Prüfverfahren fallen für kleinere Hilfswerke stark

ins Gewicht.Wer eineOrganisation unterstützenwill,die

nicht Zewo-zertifiziert ist, muss sich selber informieren.

«Spenderinnen und Spender können den aktuellen Jah­

resbericht oder die revidierte Jahresrechnung verlangen

und bei Unklarheiten Fragen stellen»,sagtMartina Ziege­

rer,Geschäftsleiterinder Zewo.SinddieDokumentenicht

aussagekräftig, die Antworten ausweichend oder die Zah­

len nicht transparent, sei Vorsicht geboten. Hilfreich ist

auch die Warnliste der Zewo mit Organisationen, die

stark von den Standards abweichen oder sich weigern,

transparente Zahlen zu präsentieren.

Ob ein Hilfswerk die Spendengelder

effizient einsetzt, bescheinigt das

Zewo-Siegel. Für kleine Hilfswerke und

über Crowdfunding finanzierte

Einzel-Hilfsaktionen ist die Zertifizie­

rung jedoch zu teuer. Wie kann

man sich vergewissern, dass sie ver­

trauenswürdig sind?

Text: Sina Bühler

Einzelaktionen als Alternative?

NebendenklassischenHilfswerken sind in letzter Zeit

Online-Spendenplattformen aufgetaucht,diemit Crowd­

funding arbeiten. «Diese Aufrufe sind für das Zielpubli­

kummassgeschneidert und oft sehr emotional.Das funk­

tioniert», meint die Fundraisingexpertin und Beraterin

Bruna Fossati, die früher bei grossen Schweizer Hilfsorga­

nisationen arbeitete. Zudem sei das Modell dank kleinen

Belohnungen attraktiv. Eine Kehrseite ist laut Fossati al­

lerdings, dass die Verwendung der Mittel kaum kontrol­

liert werden kann.Und: «Diese Initiativen sindmeist ein­

malig – also nicht sehr nachhaltig.»

Auf dem Spendenmarkt gehe der Trend hin zu Einzel­

projekten, die dann beispielsweise in einem boliviani­

schen Dorf eine Schule aufbauen helfen. «Das kann aber

fragwürdig sein: Was ist mit demDorf nebenan? Undwas

passiert, wenn die Sponsoren aussteigen?», fragt Fossati.

Im Grundsatz seien die grossen Hilfswerke bei der Ent­

wicklungszusammenarbeit effizienter, was aber nicht

zwingend gegen kleine Organisationen spreche.

Kontinuierlich spenden ist nachhaltiger

Auch Entwicklungsexperte Peter Niggli, ehemaliger

Leiter von Alliance Sud, rät nicht generell von kleinen

Organisationen ab. Es sei ein Irrtum, zu glauben, dass

arme Länder am wirkungsvollsten über ein geplantes,

zentrales und meist über die dortige Regierung abgewi­

ckeltes Vorgehen unterstützt würden. Dies schreibt er

imVorwort zumBuch «Hunger nach Gerechtigkeit» über

das Schweizer Kinderhilfswerk Abai und die Armuts­

bekämpfung in Brasilien. Für Niggli ist jedoch zwin­

gend, dass kleine Organisationen über Nachhaltigkeit,

Kontrollinstrumente und vor allemdie Kontinuität ihrer

Arbeit diskutieren. Die Grösse sei dabei gar nicht so wich­

tig. Denn, so schreibt Niggli, «alle Entwicklungszusam­

menarbeit ist gemessen an der Welt und ihren Proble­

men erschreckend klein dimensioniert».

Unabhängig davon, ob man lieber kleine oder grosse

Organisationen unterstützt, das Wichtigste ist – darin

sind sich die Fachleute einig –, sich für wenige Anliegen

und Organisationen zu entscheiden und diese regelmäs­

sig und langfristig zu unterstützen.Das hilft,die Fundrai­

singkosten zu senken, was den unterstützten Projekten

zugutekommt.

Sina Bühler ist Journalistin und Mitglied des Pressebüros

St.Gallen. Ihre thematischen Schwerpunkte sind Politik,

Gleichstellung, Gewerkschaften, Arbeit.

Spenden,

aber richtig

Das Wichtigste ist, sich für wenige

Organisationen zu entscheiden und

diese regelmässig zu unterstützen.