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moneta 4—2016

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Kreditporträt

Reparieren

statt wegwerfen

Das Arche Brockenhaus ist bekannt für sein um­

fassendes Sortiment, die Reparaturwerkstätten und

das Bistro. Dahinter steht die Arche Zürich, ein

gemeinnütziger Verein mit vielfältigem Angebot an

Arbeitsplätzen und Beratung für Menschen in

schwierigen Lebenssituationen.

Text: Sarah Eggo

Von der Tasse über den Fernseher bis hin zum Schrank:

Im Arche Brockenhaus kann man sich eine komplette

Wohnungseinrichtung zusammenstellen. Auf 1200 Qua­

dratmetern, verteilt über zwei Stockwerke, bietet das

Haus eine grosse Auswahl an Secondhand-Artikeln. So

unterschiedlich wie die Artikel sind die Kundinnen

und Kunden: Einige sind auf der Suche nach antiken

Schätzen, andere wollen gegen Konsumstrom und

Wegwerfgesellschaft ankämpfen, und wieder andere su­

chen eine günstige Alternative zu den herkömmlichen

Läden. In der Arche kann man Waren selber vorbeibrin­

gen oder sie zu Hause abholen lassen. Zudem werden

Wohnungsräumungen angeboten.

Beliebte Computerwerkstatt und Geschenkmarkt

Das Brockenhaus läuft gut – was nicht selbstverständlich

ist. Heutzutage wird viel Ware im Internet versteigert

und findet den Weg ins Brockenhaus nicht. Die Konkur­

renz ist gross, und man muss erfinderisch sein, um

sich von anderen abzuheben. So ist das Arche Brocken­

haus speziell bekannt für sein gemütliches und

sauberes Ambiente und seine Werkstätten, in denen

Fachangestellte und Teilnehmende eines Arbeits­

integrationsprogramms Velos und diverse Elektrogeräte

reparieren, um sie weiterzuverkaufen. Besonders

beliebt ist die Computerwerkstatt: Alte Computer wer­

den formatiert, mit aktuellen Betriebssystemen versehen

und finden dann zu günstigem Preis glückliche neue

Besitzerinnen und Besitzer.

Das Arche Brockenhaus ist auch eine Eventlokalität,

die gebucht werden kann, und es finden auch im­

mer wieder eigene Veranstaltungen statt. So gibt es am

3. Dezember einen Gschänkli-Markt. An verschiedenen

Marktständen bieten lokale Kunsthandwerkerinnen

und Kunsthandwerker ihre Produkte an, und man kann

Spezialitäten vom Arche Biohof kaufen. Daneben

gibt es Workshops und Ateliers, in denen man selbst aus

Secondhand-Artikeln Geschenke herstellen kann.

Geniessen im Bistro

Um die Mittagszeit ist beim Arche Brockenhaus be­

sonders viel los: Im eigenen Bistro werden von Montag

bis Freitag Mittagsmenüs serviert. Viele der frischen

saisonalen Zutaten stammen vom Arche Biohof. Im Ser­

vice arbeiten Menschen, die an einem Arbeitsintegra­

tionsprogramm teilnehmen. Sie sind stellenlos, ausge­

steuert und auf Sozialhilfe angewiesen. Oft bringen

sie keine Erfahrung im Gastgewerbe mit, und viele von

ihnen haben einen schweren Rucksack zu tragen. «Es

gibt viel zu erklären und zu lehren. Es treten immer wie­

der neue Mitarbeitende ein, die intensiv eingearbei­

tet werden müssen», sagt Bruno Bonetti, gelernter Con­

fiseur und Fachangestellter im Bistro. Er ergänzt:

«Zentral ist es, das Handwerk so rüberzubringen, dass

es verstanden und auch gespürt wird.» Die Fach­

angestellten begleiten die Teilnehmerinnen und Teilneh­

mer des Programms intensiv und mit viel Einsatz. Als

Ausgleich zu den strengen Zeiten gibt es in der Freizeit

auch hie und da einen Teamausflug oder es wird ein

Jass geklopft. Zurzeit arbeiten im Rahmen des Arbeits­

integrationsprogrammes insgesamt 45 Personen im

Arche Brockenhaus und dem Bistro.

Vielfältige Integrations- und Beratungsangebote

Das Arche Brockenhaus gibt es seit 41 Jahren und ge­

hört heute zum privaten, gemeinnützigen Verein Arche

Zürich, der konfessionell und politisch unabhängig

ist. Der Verein bietet auf unterschiedliche Art und Weise

Perspektiven für Menschen in schwierigen Situationen:

Auf dem Arche Biohof arbeiten Menschen, die eine

IV

-Rente oder Sozialhilfe beziehen. Sie produzieren Bio­

gemüse für Gemüsekörbe, Restaurants und den

Detailhandel. In einer Manufaktur stellen die Mitarbei­

tenden kunsthandwerkliche Produkte her. Die Arche

Fachstelle für Integration bietet ambulante Beratung und

Unterstützung bei der Alltagsbewältigung, und die

Arche Kind & Familie unterstützt Eltern, die psychisch

belastet und/oder suchtmittelabhängig sind. Die

Arche Zürich bietet auch verschiedene Wohnformen

für Menschen mit psychischen Problemen und/

oder Suchtmittelabhängigkeit an. Weitere Institutionen

sind die Arche Therapie Bülach und die Arche Kin­

derbegleitung. Diese existiert, wie der Verein, bereits

seit über 35 Jahren und leistet nachhaltige Einzel­

begleitung bei Sprach-, Schul- oder Integrationspro­

blemen.

Die

ABS

hat den Verein mit Krediten von insgesamt

5,5 Millionen Franken unterstützt. «Die Arche Zürich

arbeitet seit Jahren mit der

ABS

zusammen», sagt David

Häne, Gesamtleiter Arche Zürich. «Die

ABS

hat unter

anderem den Neubau direkt neben dem Brockenhaus

an der Hohlstrasse mitfinanziert (Eröffnung 2010).

Mit diesem Bau konnten wir ein betreutes Wohnhaus

samt öffentlichem Bistro erstellen.»

www.archezuerich.ch

Die Arche bietet

eine sorgfältige Aus-

wahl an Second-

hand-Artikeln – hier

im oberen Stock

des Brockenhauses in

Zürich-Altstetten.