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Thema Schenken

moneta 4—2016

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Jedes Jahr leisten in der Schweiz mehr als

zwei Millionen Menschen Freiwilligenarbeit.

Sie tun dies aus den unterschiedlichsten

Beweggründen, und ihr Engagement schafft

einen reellen Mehrwert für die Gesell­

schaft. Ein Bericht über den Kanton Waadt,

der die unentgeltliche Tätigkeit in seiner

Verfassung anerkannt hat.

Text: Muriel Raemy

Mitglied in einemKomitee sein, Einkäufe für einen Rent­

ner erledigen, ein Naturschutzgebiet reinigen oder einen

Basar für die Gemeindekirche organisieren– zahlreiche

Menschen geben jedes Jahr etwas von ihrer Zeit, ohne

dafür ein Entgelt zu erwarten. Das Bundesamt für Statis­

tik (

BFS

) erhebt seit 1997 alle drei Jahre die Zahlen zur

Freiwilligenarbeit. Der Bericht von 2015 hält fest, dass

2013 1,4 Millionen Menschen in der Schweiz mindestens

eine institutionalisierte (auch formell genannte) unbe­

zahlte Tätigkeit geleistet haben – das heisst eine Freiwil­

ligenarbeit, die im Rahmen einer Organisation oder Ins­

titution ausgeübt wird. Imgleichen Zeitraum erbrachten

1,3 Millionen Personen regelmässig informelle unbezahl­

te Dienste; dazu zählen Nachbarschaftshilfe oder Dienst­

leistungen und Pflegeaufgaben für Verwandte oder Be­

kannte. Formelle und informelle Freiwilligenarbeit

ergeben zusammen für 2013 ein geschätztes Volumen von

665 Millionen Stunden.

Diese engagierten Menschen erfüllen eine wesentli­

che und unerlässliche Aufgabe für die Gemeinschaft.

Kürzlich gab das Schweizerische Rote Kreuz (

SRK

) be­

kannt, dass es in der ganzen Schweiz auf die Unterstüt­

zung von 73 000 Freiwilligen zählen kann.

Sie leisten 2,9 Millionen Arbeitsstunden.

Würde man für diese Anzahl Stunden einen

Stundenlohn von 30 Franken veranschlagen,

käme man auf einen Betrag von 87 Millionen Fran­

ken.Der KantonWaadt ist sich des Wertes der Freiwilli­

genarbeit bewusst: Er anerkennt – als einziger Kanton in

der Westschweiz – in seiner Verfassung die Bedeutung

der ehrenamtlichen Tätigkeit. Artikel 70 der Kantonsver­

fassung hält fest, dass Kanton und Gemeinden den an­

erkannten Vereinen Unterstützung gewähren und im

Rahmen von Partnerschaftsverträgen Aufgaben an sie

delegieren können. Zudem sollen sie die ehrenamtliche

Tätigkeit sowie die Ausbildung der freiwilligen Helfe­

rinnen und Helfer erleichtern. Dieses starke Signal zeigt,

dass sich die Tätigkeiten der öffentlichen Hand und von

privaten Organisationen angesichts der grossen Heraus­

forderungen wie sozialer Ungleichheit, beruflicher Ein­

gliederung oder Alterung der Bevölkerung gegenseitig

ergänzen.

Die oder der «typische» Freiwillige

Wer sind denn diese Freiwilligen? Gemäss der Erhe­

bung des

BFS

sind die Personen, die in der institutiona­

lisierten Freiwilligenarbeit aktiv sind, im Durchschnitt

zwischen40und 54 Jahre alt,männlichundverfügenüber

eine höhere Bildung.Männer engagieren sich also eher in

der formellen Freiwilligenarbeit, und zwar besonders in

Unentgeltlicher

Einsatz

für