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Thema Vernetzt

moneta 3—2017

17

Messbar

anders

Mit der «Sustainable Banking Scorecard»

können alle Banken auf ihre Nachhaltigkeit

hin geprüft werden. Die Untersuchungen

der letzten Jahre zeigen, dass sozial-ökologi­

sche Banken die Realwirtschaft besser

unterstützen als die systemrelevanten Gross­

banken, und stabile Gewinne erzielen.

Text: Michael Staub

Wie in den meisten Wirtschaftszweigen sind in der Fi-

nanzbranche spezielle Nachhaltigkeitsberichte üblich.

Jedoch kranken die gängigen Standards für solche Be-

richte an einem Mangel: Sie berücksichtigen nur, wie

ein Unternehmen arbeitet, und nicht, was sein Ziel ist.

Zudem sind die Kriterien der Bewertung, also die Indi­

katoren für die Nachhaltigkeit, nur bedingt durchschau-

bar. Relevante und vergleichbare Indikatoren sind je-

doch zentral, denn die Geschäftsentscheidungen von

Banken zeitigen eine grosse Wirkung. Die von ihnen

gesteuerten Geldflüsse entscheiden massgeblich darü-

ber, wie sich Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft ent-

wickeln. Ein Anlagefonds für Rüstungs- oder Nanotech-

firmen wird diese Entwicklung anders prägen als ein

Fonds für Mikrokredite oder erneuerbare Energien.

Spezielles Messinstrument

Damit Banken bezüglich Nachhaltigkeit vergleichbar

sind, hat die

GABV

vor einigen Jahren die Sustainable

Banking Scorecard, entwickelt. Mit der Scorecard kann

jede Bank selbst messen, wie nachhaltig ihre Geschäfts­

tätigkeit ist. Betrachtet wird das gesamte Bankgeschäft,

neben dem Kredit- und Sparbereich also auch das An­

lagegeschäft. Drei zentrale Aspekte der Untersuchung

sind:

– Sozial-ökologische Wirkung.

Jedes Bankgeschäft soll

sich positiv auf Gesellschaft und Umwelt auswirken.

Diese positive Auswirkung wird ausdrücklich ver-

langt, die reine Schadensminimierung reicht nicht.

– Realwirtschaftlichkeit.

Die Gelder sollen vor allem der

Realwirtschaft zugutekommen, etwa in Form von

Krediten. Weniger günstig werden reine Finanzwirt-

schaftsgeschäfte beurteilt. Darunter fallen zum

Beispiel kurzfristige Spekulationsgeschäfte.

– Widerstandskraft («resilience»).

Auch bei Erschütte­

rungen oder Krisen im internationalen Finanz­

system soll die Bank widerstandsfähig sein. Wenn

sie ihre Geschäfte und Kundenbeziehungen

auf Gewinnsuffizienz anstatt Gewinnmaximierung

ausgerichtet hat, sollte dies gelingen.

Die Alternative Bank Schweiz hat die Scorecard erstmals

im Geschäftsjahr 2016 angewendet. Mit 96 von 100 mög-

lichen Punkten erzielte sie ein sehr gutes Resultat, das

von der

GABV

als «vorbildlich» gewürdigt wurde.

Klare Vorteile gegenüber Grossbanken

Die Scorecard ermöglicht den Vergleich von sozial-ökologischen Banken mit den weltweit systemrelevan-

ten Finanzinstituten (Global Systemically Important

Financial Institutions), die auch unter dem Namen «too

big to fail» bekannt sind. Eine Ausnahme ist die sozial-ökologische Wirkung: Sie wird wohl von

GABV

-Mit-

gliedsbanken erhoben, nicht aber von Grossbanken.

Die Realwirtschaftlichkeit lässt sich jedoch sehr wohl

erheben. Bei den «too big to fail»-Banken betrug der

Anteil von Krediten respektive Kundenguthaben an der

gesamten Bilanzsumme jeweils gut 40 Prozent. Die

GABV

-Banken brachten es hingegen in beiden Punkten

auf mehr als 70 Prozent. Sie sprachen also deutlich mehr

Kredite für die Realwirtschaft und sicherten diese mit

Kundenguthaben ab. Beides steht im Gegensatz zu den

systemrelevanten Banken, die oft wegen ihrer restrikti-

ven Kreditvergabe und ihrer mangelnden Widerstands-

kraft in der Kritik stehen.

Der höhere Nutzen für die Realwirtschaft und die

grössere Stabilität der

GABV

-Banken führen zu soli-

den Gewinnen. Während die systemrelevanten Banken

eine durchschnittliche Rendite (Return on Equity) von

10,8 Prozent erzielten, brachten es die

GABV

-Banken

auf 9,7 Prozent. Die oft unverhältnismässigen Risiken,

die viele systemrelevante Banken eingingen, brachten

also nur minimal höhere Gewinne. Als die

GABV

den

Vergleich 2014 wiederholte, hatten nachhaltig orientier-

te Banken sogar die Konkurrenz geschlagen: Sie erziel-

ten einen Gewinn von 8,6 Prozent, die systemrelevanten

Banken erwirtschafteten dagegen 7,6 Prozent.

Nachhaltigkeit bewährt sich

Zehn Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise sind

Stabilität und Krisenfestigkeit vieler Bankinstitute im-

mer noch fraglich. Umso mehr fallen die soliden Rendi-

ten und die finanzielle Robustheit der nachhaltig orien-

tierten Banken auf. «Beeindruckend sind die Jahr für

Jahr konsistenten Zahlen», schreibt die

GABV

in ihrem

jüngsten Bericht, «sie bestätigen das Geschäftsmodell

nachhaltiger Banken mit ihren Investitionen in die Real-

wirtschaft.»

Der neuste Bericht der

GABV

stammt von 2016. Wie

er zeigt, haben sich die Unterschiede nochmals akzen­

tuiert. Bei den nachhaltig orientierten Banken betrug

der Anteil der vergebenen Kredite inzwischen 76,8 Pro-

zent der Bilanzsumme, bei den systemrelevanten Banken

waren es 41,6 Prozent. Die Kundenguthaben erreichten

81,7 Prozent der Bilanzsumme (nachhaltige Banken) re-

spektive 52,2 Prozent (systemrelevante Banken).

Nachhaltigkeit und Rentabilität stehen also nicht im

Widerspruch, sondern im Einklang. Ein Grund mehr, bei

Bankgeschäften soziale und ökologische Kriterien stark

zu gewichten.

Die detaillierten

Forschungsergebnisse

finden Sie unter:

www.gabv.org/the-im-

pact/research

Michael Staub ist freier

Journalist für verschie-

dene Fachmedien.

Seine Schwerpunkte

sind Infrastruktur,

Technik und Energie.