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Thema Vernetzt

moneta 3—2017

18

Geld braucht

Gemeinschaft

Der Politologe und Soziologe Roland Benedikter hat 2011 ein

grundlegendes Buch über Social Banking geschrieben.

Wer sind diese Banken, was leisten sie, und was verspricht

sich Benedikter von ihnen für die Zukunft?

Interview: Bärbel Bohr

moneta:

Herr Benedikter, wie kam es dazu,

dass Sie sich mit demThema Social Banking

beschäftigt haben?

Roland Benedikter:

Mein Interesse entstand nach der Fi-

nanzkrise, die zu einer globalen Wirtschaftskrise wurde.

Ich begann, nach besseren ökonomischen Modellen zu

suchen und nach einem alternativen Verständnis von

Geld. So bin ich auf die beiden grossen Organisationen

gestossen, die sich mit Social Banking beschäftigen: die

INAISE

(International Association of Investors in the

Social Economy) und die

GABV

(Global Alliance for

Banking on Values). Gemeinsam mit ihnen habe ich für

das Buch recherchiert.

Gibt es einen gemeinsamen Nenner für das,

was Social Banking ist?

Schon was mit «social» gemeint ist, variiert oft von

Organisation zu Organisation. Eine allgemeinverbind­

liche Definition gibt es nicht. Dennoch gibt es einige

charakteristische Gemeinsamkeiten: Dazu gehört die

Verpflichtung auf die «triple bottom line», also die Be-

rücksichtigung umweltbezogener, sozialer und wirt-

schaftlicher Ziele. Zwei weitere typische Kennzeichen

sind: Soziale Banken sind gegenüber der Kundschaft

sehr transparent, und sie gewichten die Entwicklung

von Gemeinschaften höher als den Profit.

Gut sechs Jahre nach der Erstpublikation

Ihres Buches sieht dieWelt ziemlich anders aus.

Wie schätzen Sie die derzeitige Situation ein?

Soziale Banken haben über die letzten Jahre einen enor-

men Zuwachs verzeichnet, auch wenn sie weiterhin nur

einen kleinen Marktanteil haben. Es ist insgesamt etwas

stiller um das Thema geworden. Das liegt daran, dass

sich der weltpolitische Kontext grundlegend geändert

hat. Zum einen ist eine Rückkehr zum klassischen

Spekulationskapitalismus zu beobachten. Wurde vor der

Finanzkrise mit Immobilien und derivativen Instru-

menten spekuliert, sind es heute eher Spekulationen

im Lebensmittel- und Verbrauchsgüterbereich sowie

auf die Schnittstellen neuer Technologien mit dem

menschlichen Körper. Gleichzeitig können wir das Aus-

sterben der klassischen Bank verfolgen. Parallel dazu

entstehen neue Finanztechnologien, beispielsweise digi-

tale Währungen. Zum anderen erleben wir gerade eine

sehr intensive Phase der Renationalisierung, die von

Trumps

USA

ausstrahlt. In vielen Bereichen des Handels

geht es derzeit wieder darum, für politische Zwecke zu

vereinnahmen und zu instrumentalisieren – auch im

Finanzbereich, der wieder als geopolitischer Machtfak-

tor angesehen wird.

Welche Rolle können werteorientierte Banken

in diesemKontext spielen?

Zunächst sorgen sie für Stabilität. Sie sind unter den

Banken diejenigen mit der höchsten Rückzahlungsqua-

lität. Die von diesen Banken finanzierten Firmen sind

sehr verlässliche Kunden. Die Kundschaft ist sehr loyal.

Ich sehe mehrere Einsatzfelder, um das Geschäft strate-

gisch weiterzuentwickeln. Erstens: Mikrokredite vor­

antreiben. Das ist auch bei uns ein Thema, beispiels­

weise für sozial Benachteiligte oder Migrantinnen und

Migranten. Zweitens: Alles fördern, was die Umwelt

schont. Das reicht für mich bis hin zum «space mining»,

also der Nutzung von Rohstoffen aus dem Weltraum.

Drittens: Die Kundenbindung durch Applikationen und

soziale Medien erhöhen, sodass die Kundschaft unmit-

telbar mit ihrer Bank kommunizieren kann und bewuss­

te Entscheidungen darüber trifft, was mit dem eigenen

Geld gemacht wird. Viertens: Soziale Banken können

info@futurenergy.ch

+41.31.311.54.50

Future Energy SA - Postfach 9 - 1070 Puidoux - CHE-249.637.435

Inserat

Roland Benedikter ist

Senior Researcher

bei Eurac Research in

Bozen, Südtirol,

und beschäftigt sich

mit Zeitthemen.

Zugleich hat er eine

Forschungsprofessur

für multidisziplinäre

Politikanalyse am

Willy-Brandt-Zentrum

für Deutschland-

und Europastudien

an der Universität

Wroclaw-Breslau. Das

Buch «

Social Banking

and Social Finance.

Answers to the Eco­

nomic Crisis», 2011 bei

Springer erschienen,

entstand während

einer Forschungs­

professur an der Stan-

ford University.