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Thema Vernetzt

moneta 3—2017

19

einen Beitrag dazu leisten, das Wissen über Geld und

die damit verbundenen Werte zu erhöhen. Um die Funk-

tion des Geldes als soziale Bindung und das damit ver-

bundene Vertrauen steht es nämlich nicht gut. Das hat

einerseits mit der Entbindung der Geldschöpfung von

Sachwerten zu tun, mit der Automatisierung des Bank-

bereichs ohne menschliche Begegnung am Schalter und

dem «Verschwinden» des Geldes zugunsten elektroni-

scher Zahlungsformen, und anderseits mit den vielen

Skandalen im Bank- und Wirtschaftsbereich. Gerade

im Umfeld einer sozialen Bank kann jedoch dieses Ver-

ständnis transparent gemacht werden. Denn «soziale

Bank» bedeutet, dass man etwas mehr über den Sinn

und die gewünschte Existenzweise des Geldes nach-

denkt als üblich.

Geld als soziale Bindung: Wie soll das aussehen?

Das ist eine der grossen Fragen an die Zukunft und die

Zukunft des Geldes. Ich sehe hier vor allem drei Punkte.

Erstens geht es darum, wie das Geldwesen demokratisch

neu definiert werden kann. Diese Frage muss nicht un-

mittelbar beantwortet, sondern vor allem immer weiter

diskutiert werden. Es geht darum, sie nach und nach

«reif zu sprechen». Ich verspreche mir von werteorien-

tierten Finanzinstitutionen, dass sie hier unaufhörlich

und gezielt Impulse geben. Sie sind auch deshalb beson-

ders gut dafür geeignet, weil sie sich von jeher zwischen

Tradition und Experiment bewegen. Zweitens: Zwar bin

ich gegenüber den neuen Kunstwährungen eher skep-

tisch, da es sich um komplizierte, demokratisch nicht

legitimierte Konstrukte handelt. Auch als Folge der der-

zeitigen politischen Renationalisierungstrends räume

ich ihnen nur geringe Verbreiterungschancen ein. Den-

noch finde ich es wichtig, wenn sich die sozialen Fi­

nanzinstitute in die Diskussion von unten um neue,

komplementäre Währungen einbringen. Denn dahinter

steckt immer die Frage: Wie können Geld und die Teil­

habe an Geld näher an das Leben herangeführt werden?

Zu den positiven Erneuerungen, die ich mir vom Social

Banking der Zukunft erhoffe, gehört schliesslich die

Frage nach der Zukunft des menschlichen Körpers im

Zeitalter «eindringender» Technisierung und «Verbes­

serung des Menschen»

(

«human enhancement»

).

Das

Geschäft mit direkten Gehirn-Maschine- und Gehirn-

Computer-Schnittstellen sowie Chipimplantaten ver-

spricht, der grösste Wachstumsmarkt zu werden. Die

Auswirkungen auf das Menschsein werden aber noch

zu wenig diskutiert. Das Geld spielt eine wesentliche

Rolle. Nicht zufällig fand Anfang Oktober 2016 die erste

Cyborg-Olympiade nicht in Silicon Valley, sondern im

schweizerischen Kloten statt – also im sprichwörtlichen

Land der Banken. Da heute viele Milliarden in diesen

Zukunftsbereich hineinfliessen, ist die Frage, was und

wie Geld in den kommenden Jahren dazu beiträgt, den

menschlichen Körper umzugestalten – und damit den

Menschen und sein Wesen selbst. Das ist vielleicht die

grösste Frage, die wir jetzt an das Geld stellen müssen.

Lernen,

was Social Banking

ausmacht

66 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus

16 Ländern nahmen Ende Juni an der 10. Inter­

national Summer School teil. Im kleinen

Fischerdörfchen Kinsale in Irland wurde eine

Woche diskutiert und gelernt, was es be­

deutet, Social Bankerin oder Social Banker zu

sein. Ein Erfahrungsbericht von Sarah Eggo,

moneta-Redaktorin und

ABS

-Mitarbeiterin.

Text: Sarah Eggo

Fotos: John Allen

Die diesjährige Summer School des Institute for Social

Banking richtete sich in erster Linie an neue Mitar­

beiterinnen und Mitarbeiter von sozial-ökologischen

Banken und interessierte Studentinnen und Studenten.

Eine grosse Spannbreite an Themen und ein abwechs-

lungsreiches Programm garantierten, dass alle Teilneh-

menden einen Anknüpfungspunkt zu ihrer Arbeit oder

ihrem Studium fanden. Nach einer allgemeinen Einfüh-

rung in die Thematik Social Banking konnten die Teil-

nehmenden ihr Wissen in spezifischen Bereichen vertie-

fen, beispielsweise in einem Workshop zur Frage, wie

Negativzinsen die Arbeit der Bank beeinflussen. Andere

Workshops behandelten die Besonderheiten bei der Per-

sonalführung in Social Banks oder das sogenannte «gift

money»: Hier erlebte man, wie es sich anfühlt, Geld zu

schenken. In Vorträgen wurden weitere Themen wie Di-

gitalisierung und Innovation vertieft. Dort stellten die

Referentinnen und Referenten beispielsweise die Vor-

66 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten

die 10. Summer School in Kinsale, Irland.

Fortsetzung auf Seite 21