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moneta 3—2017

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Kreditporträt

Seit zehn Jahren führt Yvonne Flückiger das Demenzhaus Oberi Bäch in Huttwil

BE

.

Zusammen mit ihren Angestellten will die Bernerin den 19 Bewohnerinnen und

Bewohnern nicht nur ein Gefühl der Normalität vermitteln, sondern sich auch möglichst

viel Zeit für sie nehmen.

Text: Michael Gasser, Fotos: zvg

Das Herz

schlägt für die Heim-

bewohner

22 Jahre lang führte Yvonne Flückiger zusammen mit

ihrem Mann Jörg ein Dekorationsgeschäft mitten

in Huttwil. Bis es sie wieder zielstrebig zum Pflegeberuf

zurückzog. Flückiger ist diplomierte Pflegefachfrau,

Homöopathin und unterdessen auch ausgebildete

Heimleiterin. Die Neuorientierung kam ins Rollen, als sie

2003 am Rand der Berner Gemeinde ein Emmentaler

Bauernhaus entdeckte, das zum Verkauf stand. «Das war

Liebe auf den ersten Blick», erinnert sich Flückiger.

Damals besassen sie und ihr Mann ein «hübsches

Haus im Städtli», doch der Hof Oberi Bäch und dessen

Potenzial wollten ihr nicht mehr aus dem Kopf. «Also

kauften wir ihn», sagt sie. Ein Entscheid nicht ohne Risiko.

Zwar war Flückiger entschlossen, auf der ehemaligen

und unbebauten Hofstatt ein Haus für Demenzkranke

entstehen zu lassen, doch: Wo sollte das dafür not­

wendige Geld herkommen? Obschon sich Familie und

Freunde bereit zeigten, ihr mit Darlehen unter die

Arme zu greifen, war klar: Die Finanzierung des Projek-

tes war alles andere als gesichert. «Also setzte ich

ein Inserat auf und suchte damit nach Investoren», so

Flückiger. Mit ernüchterndem Rücklauf. Selbst ihre

damalige Hausbank war nicht gewillt, das Vorhaben zu

unterstützen. Deshalb klapperte sie weitere Institute

ab, bis sie von einem Bekannten den Tipp erhielt, es bei

der Alternativen Bank Schweiz zu versuchen.

Rasch aus den roten Zahlen

«Schon bei den ersten Gesprächen mit der

ABS

hatte

ich ein sehr gutes Gefühl. Auch, weil meine An­

sprechpartner von Beginn weg offen kommunizierten»,

erklärt Flückiger. Und betont, wie sehr sie die transpa-

rente Lohnpolitik der

ABS

und deren Einstehen für nach-

haltige Projekte schätzt. «Beides finde ich super», sagt

die 57-Jährige mit Nachdruck. Mit dem gewährten Kredit

in der Höhe von rund 2,5 Millionen Franken war es

ihr möglich, das Haus ganz nach ihren Vorstellungen zu

bauen. «Um die Kosten tief zu halten, haben mein

Mann, der gelernter Bodenleger ist, und ich einiges an

Eigenleistungen erbracht», erzählt sie. Insbesondere

das über die Jahre erworbene Wissen aus dem Dekora­

tionsgeschäft sei beim Vorhaben hilfreich gewesen,

etwa beim Farbkonzept. 2007 war es dann so weit: Das

Demenzhaus Oberi Bäch öffnete seine Tore. «Und

obschon unser Businessplan davon ausging, dass wir

während fünf Jahren rote Zahlen schreiben, waren

wir bereits 2009 im Plus.»

Doch warum gerade ein Haus für Demenzkranke?

«Das war eine Art Eingebung. Allerdings hatte mich

das Thema schon länger fasziniert», führt die Bernerin

aus. Im Vorfeld hatte sie denn auch etliche Demenz­

stationen besucht – und war danach von ihrem Vorhaben

überzeugter denn je. Obwohl Flückiger im Haus Oberi

Äusseres und Inneres

des dreistöckigen

Hauses sind mit viel

Umsicht gestaltet.